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Kastratenfleisch?
Schluss damit!

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"Echte Kerle statt Kastraten"

Jahr für Jahr werden in Deutschland über 20 Millionen Ferkel kastriert, fast ausnahmslos ohne Betäubung und bei vollem Bewusstsein.

PROVIEH setzt sich dafür ein, ganz auf die Kastration zu verzichten und stattdessen unkastrierte männliche Schweine (Jungeber) zu mästen.

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Warum werden männliche Ferkel kastriert?

Schweine werden im Alter von fünf bis sechs Monaten geschlechtsreif. Dann beginnen die Keimdrüsen verstärkt Pheromone zu produzieren. Bei einigen männlichen Schweinen (Ebern) kann das zu Geruchsauffälligkeiten im Fleisch führen (Ebergeruch). Dieser Geruch wird beim Erhitzen des Fleisches in einem Schwall frei und wird von einigen Menschen als unangenehm empfunden. Deshalb werden männliche Ferkel kastriert.

Wie werden Ferkel kastriert?

Der Schweinezüchter nimmt die Ferkel einzeln hoch, schneidet die Haut über den Hoden ein, drückt den Hoden heraus und durchtrennt den Samenleiter. Das ist für die Ferkel außerordentlich schmerzhaft, wie wissenschaftliche Studien zweifelsfrei belegen. Landwirte, die nach den Vorgaben des Prüfsystems „QS – Qualität und Sicherheit GmbH“ produzieren, müssen seit dem 1. April 2009 nach der Kastration ein Schmerzmittel verabreichen. Das dämpft nur kurzzeitig den Wundschmerz nach dem operativen Eingriff und wirkt entzündungshemmend. Den eigentlichen Schmerz beim Entfernen der Hoden nimmt diese Behandlung den Ferkeln jedoch nicht.

Ist die betäubungslose Kastration erlaubt?postkarte-unversehrt_provieh

Laut § 5 des deutschen Tierschutzgesetzes darf an einem Wirbeltier ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht ohne Betäubung vorgenommen werden. Die betäubungslose Kastration von Ferkeln ist jedoch innerhalb der ersten sieben Lebenstage erlaubt. Das besagt eine Ausnahmeregelung der Richtlinie 2001/93 EG in der Europäischen Union sowie in § 5 Absatz 3 des Tierschutzgesetzes. In Deutschland werden jährlich ca. 25 Millionen männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert.

Welche Alternativen zur Kastration gibt es?

Vor der Kastration können die Ferkel narkotisiert werden. Der Verein NEULAND hat die Betäubung mit dem Narkosegas Isofluran bereits seit Mitte 2008 für seine Schweinebauern verbindlich eingeführt. Die Betäubung ist umständlich, darf zurzeit nur von einem Tierarzt vorgenommen werden und das Gas Isofluran gilt als schädlich für Anwender und Klima. PROVIEH hält daher diese Lösung bestenfalls für die wenigen Schweine geeignet, die nach Bio- oder Neuland-Richtlinien artgerecht und extensiv gemästet werden. Das sind pro Jahr nur etwa 300.000 von 55 Millionen Schweinen.

Man kann auch die Hormonproduktion auf biochemischem Weg hemmen, statt die Hoden ganz zu entfernen. Das Verfahren wird als „Immunokastration“ bezeichnet. Die Firma Pfizer bietet dazu bereits ein EU-weit zugelassenes Produkt an. Handel und Erzeuger fürchten allerdings, dass die medikamentöse Behandlung gegen Ebergeruch bei den Verbraucher als „Hormonbehandlung“ missverstanden und abgelehnt wird.

Die Mast „echter Kerle“, also unkastrierter männlicher Schweine, ist eine dritte Methode. PROVIEH sieht sie als die sinnvollste Lösung an. Sie hat Vorteile für Tiere und Tierhalter, wird aber im Lebensmittelhandel zurzeit noch zu zögerlich angenommen.

Wie problematisch ist der „Ebergeruch“?

Die für den „Ebergeruch“ verantwortlichen Aromastoffe reichern sich im Fettgewebe an. Sie sind leicht flüchtig und entweichen beim Erhitzen des Fleisches in einem Schwall. Auch durch Verarbeitungsmethoden wie Salzen, Pökeln, Räuchern oder Lufttrocknung lassen sie sich wirksam neutralisieren. Nur ein kleiner Teil der unkastrierten männlichen Schweine entwickelt Geruchsauffälligkeiten und längst nicht alle Menschen sind in der Lage, diese überhaupt wahrzunehmen. Geeignete Maßnahmen bei der Aufzucht, beim Transport und bei der Schlachtung können den Prozentsatz der geruchsauffälligen Schweine auf unter 1 % reduzieren. Welche Maßnahmen besonders wirkungsvoll sind, lässt sich nur in der Praxis herausfinden. Dazu muss der Lebensmittelhandel überzeugt werden, das Fleisch „echter Kerle“ ohne Einschränkung anzunehmen und an Endkunden zu verkaufen. Aufklärung tut also Not.

Wie lassen sich Geruchsauffälligkeiten im Fleisch vermeiden?

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Männliche Pheromone werden vor allem in Situationen ausgeschüttet, wo man(n) sich beweisen und behaupten muss. Auch bei jungen Ebern führen Stress, Leid und soziale Rangkämpfe zur vermehrten Produktion von Pheromonen. Damit steigt das Risiko einer Geruchsauffälligkeit. Vermeidet man in der Schweinemast alle Ursachen für derartigen Stress, ist das nicht nur tierschutzgerechter, es beugt auch dem Auftreten von „Ebergeruch“ vor. Die richtige Fütterung, ein kurzer und leidfreier Transport und eine möglichst schonende Schlachtung tragen ebenfalls dazu bei. Weitere langfristige Möglichkeiten bestehen in der Zucht und in der Auswahl geeigneter Rassen.

Durch eine Geruchsprobe kann man am Schlachthof testen, ob das Fleisch auffällig riecht. Bei kleinen Schlachthöfen ist das bereits jetzt möglich. Große Schlachthöfe mit mehr als 250 männlichen Schweinen pro Tag am Schlachtband brauchen eine automatisierte Lösung, eine „elektronische Nase“. Sie wird beim Fraunhofer Institut entwickelt und ist technisch bereits weit fortgeschritten. Nun muss nur noch bestimmt werden, welches Gewebe im Schwein für die technische Geruchsprobe gut geeignet ist, um optimal zwischen geruchsauffälligen und unauffälligen Tieren zu unterscheiden.

Was will PROVIEH mit seiner Kampagne „Echte Kerle statt Kastraten“?

PROVIEH will erreichen, dass die Bauern, die bereits erfolgreich an der Mast „echter Kerle“ arbeiten, ihr Schweinefleisch auch ohne Einschränkungen im Lebensmittelhandel verkaufen können. Handelsketten können durch ein klares öffentliches Bekenntnis zum schnellstmöglichen Verzicht auf die schmerzhafte Ferkelkastration beitragen. Es drängt!


Aktuelle Informationen

  • Weitere Meldungen, Informationen und Beiträge zu unserer Kampagne "Echte Kerle statt Kastraten" finden sie hier.

Faktenblatt Ferkelkastration

  • Wieso Ferkel überhaupt kastriert werden, warum PROVIEH das ändern will und wie, steht hier.

Mythen der Ferkelkastration auf dem Prüfstand

  • Wir haben für Sie die gängigsten Fehlinformationen über die Ebermast bzw. die Auswirkungen der Abschaffung der Ferkelkastration zusammengetragen. Zur Übersicht kommen Sie hier.