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Wem dient Genotypisierung der Schafe?
Die Traberkrankheit der Schafe, auch "Scrapie" genannt, ist eine seit Jahrhunderten bekannte Erkrankung des zentralen Nervensystems des Schafes.
Mit einem Mal hält man sie für eine vermeintliche Gefährdung von Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Da es, wenn auch nur unter Laborbedingungen, gelungen ist, Schafe mit Gewebe von an BSE erkrankten Rindern zu infizieren, wurde der Schluss gezogen, dass möglicherweise Millionen Schafe unerkannt den Erreger in sich tragen könnten. Basierend auf der Annahme, dass es gewisse genetische Konstellationen geben soll, die einen Ausbruch der Traberkrankheit verhindern können, werden seit einiger Zeit hunderttausende von Schafen europaweit einem Test zur Genotypisierung unterzogen. In letzter Konsequenz ist geplant, für die nicht dem so genannten "resistenten" Genotyp zuzuordnenden Tiere ein Zuchtverbot auszusprechen bzw. diese zu töten. Diese Vorgehen ist als fragwürdig anzusehen, denn:
Eine Erkrankung auslösende Übertragung von BSE auf Schafe ist bisher nur unter Laborbedingungen möglich gewesen
Es ist bisher nicht gelungen, bei an Scrapie erkrankten Schafen den BSE-Erreger zu isolieren, was technisch gesehen kein Problem wäre
Am 23.Mai 2003 bestätigte das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, dass die Traberkrankheit bei einem Schaf des als "resistent" geltenden Genotyps nachgewiesen wurde.
Langjährige Untersuchungen deuten daraufhin, dass trotz "Resistenzgen" eine Infektion möglich ist. Allerdings verlängert sich offensichtlich die Inkubationszeit, wodurch andererseits das Vorhandensein der Krankheit unter Umständen maskiert wird.
Eine "Resistenzzucht" gefährdet viele alte, seltene und bodenständige Schafrassen beziehungsweise engt die genetischen Basis bedenklich ein, wertvolle Blutlinien werden ausgerottet. Tiere, die vollkommen gesund sind werden ohne Grund getötet. Die Niederlande haben schon angekündigt, ab dem nächsten Jahr nur noch Lammfleisch und Lämmer zu exportieren, die den R1 Genotyp (den am meisten "resistenten") aufweisen.Gleichzeitig wird Druck auf andere Länder ausgeübt, aus marktpolitischen Gründen schnellstens in das "Resistenzzuchtprogramm" einzusteigen. Eine imaginäre Verbrauchergefährdung wird unangemessenen und mit einer sehr fragwürdigen Strategie betrieben.
Sabine Zentis, AK Tierseuchenpolitik
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