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Haßleben - PROVIEH hat nachgefragt - ein Interview mit Herrn Peter Hartlich, Bürgerinitiative Haßleben

85.000 Schweine in Haßleben, PROVIEH weiß, was das bedeutet. Und auch, dass dieses Vorhaben die Region, die Menschen, die Umwelt, zukünftigen Fremdenverkehr und jeglichen Naherholungswert nachhaltig beeinflussen wird. Sieht Ihre Bürgerinitiative dieses genau so? Was sehen Sie derzeit als größtes Problem für Ihre Region?
Viele, in der Bürgerinitiative aktive Menschen aus Haßleben und Umgebung, kennen die Anlage aus DDR-Zeiten und haben die Folgen für die Umwelt (verschmutzte Seen, geschädigte Wälder) hautnahe erlebt. Die hohe Arbeitslosigkeit in dieser sehr schwach besiedelten Region macht es vielen Menschen schwer aus diesen Erfahrungen heraus den notwendigen Mut zu finden, solche fragwürdigen Anlagen rigoros abzulehnen.

Wir warnen die Bevölkerung davor, Hoffnung auf zukünftige Beschäftigungsverhältnisse in nennenswerter Größenordnung in solchen Betrieben zu setzen. Weiß man dort, dass solche Anlagen vollautomatisch gefahren werden und wahrscheinlich nach dem neuesten Stand der Technologie? Weiß man, dass weder zum Füttern noch zum Misten Menschen benötigt werden? Wie weit sind sich die Bürger dessen bewusst?
Zu DDR-Zeiten gab es in dieser Anlage bei 160.000 Stallplätzen ca. 750 Beschäftigte. Nun sollen es noch 50 Arbeitsplätze sein. Die Menschen, die sich hier Hoffnung auf einen Arbeitsplatz machen, müssten ahnen, was auf sie zukommt.

Wie will man das Problem der Gülleentsorgung für solche astronomischen Größenordnungen anfallender Exkremente in den Griff bekommen? Was soll mit der Gülle geschehen und wo? Welche gigantischen Güllenachweisflächen werden dafür benötigt und wo liegen sie? Was sagen die Behörden und Sachverständigen dazu? Was sagt der Landkreis?
Der holländische Investor will mit den Landwirten der Umgebung (im Radius von ca. 30 km) Gülleabnahmeverträge für eine Fläche von ca. 7.500 ha abschließen. Offen- sichtlich gelingt ihm das. Viele dieser Flächen grenzen unmittelbar an FFH-Gebiete. Die zuständigen Behörden scheinen die Gefahren für die Umwelt und den Tourismus zu ignorieren.

Hier war doch früher schon einmal eine Anlage, die sicher nicht schadlos und spurenlos gewirtschaftet hat. Wie ist es mit alten Umweltsünden? Wie stark sind die Böden bereits belastet und was sagen die Verantwortlichen im Landkreis dazu? Was sagen die politischen Parteien? Sind sie sich ihrer Verantwortung bewusst? (PROVIEH vermutet: nein !)
In dieser hügligen, wasserreichen Moränenlandschaft gibt es stark kontaminierte Altlastflächen. Die Seen haben sich in den vergangenen 13 Jahren der Betriebsruhe soweit sichtbar von der Belastung erfreulicherweise erholt. Weit vor der Inbetriebnahme der DDR-Schweineanlage wurden in den Feldern und Wiesen Drainagen gelegt, die heute noch funktionieren und die letztlich die Gülle in die Gewässer eintragen.

Die Umweltbelastung: Erde, Wasser, Luft – wird immens sein. Ist man dort blind? Ist die Bevölkerung überhaupt aufgeklärt über die Gefahren, die von dieser Anlage ausgehen werden? Weiß man dort über die menschlichen Gesundheitsschäden in Südoldenburg und anderswo? Weiß man etwas über die Grundwassersituation? Weiß man dort noch nichts über die auftretenden Probleme wegen der hohen Verkehrsbelastung und der zusätzlichen Luftbelastung durch Sporen, Pilze, pathogene Keime während dieser Hin- und Herfahrerei von Tieren und Exkrementen?
Die Bürgerinitiative hat sich zum Ziel gesetzt, aufklärend zu wirken. Der Investor ver- spricht, die gesetzlich vorgeschriebenen Parameter zu erfüllen. Die Befürworter glauben an dieses Versprechen. Aus Erfahrung wissen wir – die Bürgerinitiative - dass die Behörde des Landkreises Uckermark kaum in der Lage ist, die Anlage regelmäßig und umfassend zu überprüfen.

Genau so schlimm? Wissen die Bürger dort nicht, wie wundervoll sie wohnen und leben? In einer noch weitgehend intakten Gegend, die ein Paradies für Naturliebende und Erholungssuchende darstellt? Diese Leute werden fortbleiben, weil sie genau das NICHT suchen: Gestank, Transportlärm, hässliche Einrichtungen in der Landschaft, allergieerzeugende Partikel in der Luft..... sie werden ihre Erholung dort suchen, wo sich solches nicht abspielt..... wie ist es mit dem Bürgerbewusstsein dort? Hatte man sich nicht Mühe gegeben, langsam etwas aufzubauen, was Fremdenverkehr dorthin gezogen hätte?
Der Investor und sein Beauftragter (Dr.Helmut Rehhahn, Landwirtschaftsminister a.D. von Sachsen-Anhalt) suchen offensichtlich gezielt nach Standorten für Massentierhaltung in dünn besiedelten Regionen, wissend, dass Widerstand da schwer zu organisieren ist. Angebote im Rahmen des Tourismus entwickeln sich zunehmend. Die Anbieter erkennen natürlich die Gefahr und sind verwundert über die Fragwürdigkeiten politischer Entscheidungen: einerseits naturnaher Tourismus andererseits Massentierhaltung in großem Stil.

Berichten die dortigen Medien nicht darüber? Sollten sie sich nicht in Regionen – wie z.B. Südoldenburg – Regionen mit höchster Tierdichte pro Quadratkilometer – erkundigen, wie viel Touristen dort zu verzeichnen sind und wer diese je gesehen hätte?
Die örtlichen Medien berichten mehr oder weniger über das Für und Wider. Recherchen der örtlichen Medien über Erfahrungen in anderen Landkreisen der Bundesrepublik liegen nach meinem Kenntnisstand nicht vor.

Das Interview führten Marrie Powell und Kathrin Oberbeck
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PROVIEH - Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V.
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