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Demonstration am 07.04.2006 zur Legehennenverordnung vor dem Bundesrat in Berlin
Zehn PROVIEH-Mitglieder sind am 07.04.06 aus allen Himmelsrichtungen nach Berlin gekommen, um gemeinsam mit den Tierschützern aller anderen großen Organisationen gegen eine Aufweichung der Legehennenverordnung zu demonstrieren.
Die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern haben beantragt und letztlich auch durchgesetzt, die heutige Legebatterie durch eine Legebatterie mit Namen Kleinvoliere zu ersetzten.
Statt eines DIN A4 Blattes steht der Henne jetzt ein Aktendeckel zur Verfügung, ein Hohn, wenn man da von einer Verbesserung der Haltungsbedingungen spricht.
Sandbad, Sonnenlicht, Frischluft, Scharren, aufbaumen, fliegen, rennen alles Fehlanzeige.
Als wir in Berlin ankamen, waren wir noch guter Hoffnung, durch unsere Präsenz den einen oder anderen Volksvertreter (Volksverräter) umstimmen zu können. Doch schon der Anfang gestaltete sich schwierig: Nur PROVIEH, vier Pfoten und der DTB hatten eine Genehmigung direkt vor dem Bundesrat erhalten, die anderen Tierschützer waren an den Rand gedrängt. Damit war die Präsenz der ca. 150 Tierschützer gespalten und von 150 Vertretern der Käfighennenlobby, organisiert über den bayrischen und deutschen Bauernverband, unterbrochen.
Frage an den Bauernverband: Ist es das Geld, weshalb ihr eure Freilandbetriebe nicht unterstützt, sondern lieber die Agrarindustrie? Auch die Landwirte, die in alternative Haltungsformen investiert haben, sind jetzt gestraft.
Wir haben uns aber nicht unterkriegen lassen und durch schupsen, drängeln und durch unser Huhn "Betty" doch noch gute (Kamera-) Positionen erreichen können.
Das Niveau der teilweise von der Eierindustrie zwangsverpflichteten Arbeitnehmer war derart gering, dass sie unseren farbigen Demonstranten beschimpften und meine Kinder als arme, zur Demo gezwungene "Schulschwänzer" bezeichneten. Dazu kann man nur sagen: Kinder haben generell nicht so ein gestörtes Verhältnis zu anderen Lebewesen, dass sie ihnen ohne (oder nur aus wirtschaftlichem) Grund Leid antun würden und dank der Ferien wollten sie ihre Meinung auch gerne kundtun. Und wer keine Achtung vor farbigen Mitmenschen hat, bei dem kann man auch keine Achtung vor Mitgeschöpfen erwarten.
Die prominenten Tierschützer Künast, Höhn (beide Grüne) und Apel (Deutscher Tierschutzbund) waren leider nur kurz auf der Demo, um ihre Interviews abzugeben. Bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses waren wir dann sogar deutlich in der Unterzahl. Wie auch Sie so etwas verhindern können, lesen Sie unten in der Infobox.
Unsere Bewunderung hatte Benjamin Schmidt von Peta, der - nur mit Unterhose bekleidet - 30 Stunden im Käfig vor dem Bundesrat seine Solidarität mit den fast nackten gequälten Hühnern bekundete.
Dank auch all denen PROVIEHlern, die auf Eigeninitiative und mit eigenen Plakaten und Aktionen angereist sind.
Gegen den Willen des Volkes, gegen das Verfassungsgericht und vor allem gegen die Tiere hat die Mehrheit des Bundesrats diesen Freitag das ab 01.01.2007 gelten sollende Käfigverbot für Hühner gekippt.
Trotzdem: Es war gut und wichtig, dass wir da waren und gezeigt haben, dass es in Deutschland noch Menschen gibt, denen das Wohl der Tiere wichtiger ist als das heimatliche Sofa und möglichst billige Ostereier.
In den Interviews, die unsere Fachreferentin Maren Bulheller und ich im Laufe der Veranstaltung geben durften, haben wir denn auch betont:
"Wir sind enttäuscht von der Entscheidung, haben aber die Hoffnung, dass der deutsche Verbraucher sich, ebenso wie jüngst die tegut-Kette, auf die Seite der Hühner stellt und einfach über die Anbieter- und Nachfrageseite der Käfighaltung die Existenzgrundlage entzieht."
Wer jemals eingesperrte Hennen in einer Legebatterie ansehen musste, dem vergeht der Appetit auf Käfig-Eier. Doch wem das Wohl der Tiere am Herzen liegt, der muss sich seine Tierliebe etwas kosten lassen. Wenn alle Tierfreunde dafür den Mehrpreis bezahlen würden, wären weit mehr Hühner "glücklich".
In der Schweiz feierte man taggleich gerade übrigens das 25-jährige Jubiläum des Käfigverbots und auch im Handel findet man Käfig-Eier schon lange nicht mehr. Damit hat das Beispiel der Schweiz gezeigt, dass die Bedrohung von Arbeitsplätzen durch billige Export-Eier in Zeiten aufgeklärter Verbraucher eine Lüge ist. Tatsächlich werden Arbeitsplätze durch deutsche Hin- und Her-Politik weitaus mehr bedroht, wie jetzt gerade wieder die der Freilandbauern.
Mathias Güthe
(Vorstandsmitglied von PROVIEH - VgtM e.V.)
INFOBOX:
Wir freuen uns über jeden, der unseren Verein finanziell unterstützt, brauchen aber auch immer wieder Hilfe an Info-Ständen, auf Demonstrationen und Veranstaltungen. Da es zu teuer wäre, immer alle Mitglieder schriftlich zu informieren, bitten wir darum, die Termine unter www.Provieh.de zu verfolgen.
Wer sich registrieren lässt, bekommt zu den Veranstaltungen eine Kurzinformation.
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