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Berichte über PROVIEH-Termine
| wann: |
05. März 2010 |
| wo: |
Landtag Niedersachsen, Hannover |
| was: |
Fachgespräch "Bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarfabriken" |
für PROVIEH dabei: |
Susanne Aigner, Fachreferat Witzenhausen |
In Niedersachsen boomt derzeit der Bau von Hähnchenmastanlagen. Wiesenhof-Berater versuchen die Bauern, die mit Getreide kein Geld mehr verdienen können, zum Bau einer Mastanlage, in der Regel mit 40.000 Mastplätzen, zu überreden. 590 Millionen Hähnchen werden jährlich in Deutschland geschlachtet. Die Kosten - ca. 500.000 € pro Stall - tragen die Bauern, die so zu abhängigen Lohnmästern werden. Aus diesem Anlaß luden die Grünen am 5. März 2010 in den Niedersächsischen Landtag zu einer Veranstaltung ein, die über die aktuelle Situtation informieren wollte. Christian Meyer, MdL (Bündnis 90/Die Grünen) gab nach der Begrüßung einen Überblick über die Situation: Geplant ist ein Schlachthof in Wietze, in dem jährlich 135 Millionen Hähnchen geschlachtet und verarbeitet werden sollen, daneben der Bau von insgesamt 600 Ställen mit je 40.000 Mastplätzen. Diese Hähnchen sollen bei Mastende im Schlachthof in Wietze geschlachtet werden.
Tilman Uhlenhaut (BUND) lieferte Fakten zum Schadstoffeintrag durch die Landwirtschaft. So wurden in Niedersachsen 19.000 Tonnen zu viel Nitrat im Grundwasser gemessen. Der Grenzwert von 50 mg je Liter Wasser würde auf fast 60 % der Fläche nicht eingehalten. Durch Verfütterung von Antibiotika und anderen Futterzusätzen können Schadstoffe in den Boden eingetragen werden.
Besonders die intensive Schweinemast schädigt das Klima nachhaltig: 610.000 Tonnen Ammoniak werden jährlich ausgestoßen, 60.000 Tonnen mehr, als geplant.
Den katastrophalen Zustand der Masthähnchen in Intensivhaltung schilderte Verena Steder vom DTB. Die Tiere leiden unter Platzmangel, Krankheiten und künstlichem Licht. Zu hohe Besatzdichten, Federpicken, Kannibalismus, stereotypes Objektpicken, entzündete Fußsohlen und Aortaverkalkung als vorzeitige Todesursachen ist der traurige Alltag für Masthähnchen in Intensivhaltung. Derzeit dürfen 33 bis 39 kg Hähnchen auf einem Quadratmeter gehalten werden, PROVIEH und der DTB fordern dagegen eine maximale Besatzdichte von 25 kg/qm.
Knut Haverkamp, Sachverständiger für Immissionsschutz, erörterte die rechtlichen Bestimmungen, die bei einer Anzahl von bis zu 15.000, bis zu 40.000 und mehr als 40.000 Masthähnchen in Kraft treten. Hier gibt es unterschiedliche Umweltvorschriften, die der Unternehmer einhalten muss. Außerdem gibt er nützliche Hinweise an Bürgerinitiativen, die den Bau einer Mastanlage auf gerichtlichem Wege verhindern wollen (weitere Infos: www.haverkamp-immissionsschutz.de).
Betriebswirtschaftliche Kennzahlen zum Bau einer Hähnchenmastanlag lieferte Dr. Ulrich Klischat von der Landwirtschaftskammer Hannover. Niedersachsen als Ackerbaustandort hält er für besonders vorteilhaft für die Hähnchenmast, da die Lohnmäster das betriebseigene Getreide an die Tiere verfüttern können. Auch wenn der Gewinn je Tier nach allen Abzügen nur 7 Cent beträgt und die Marktprognosen stets unklar sind: Die Chancen der Hähnchenmast sieht er in der "nachhaltigen Kostendeckung durch zentralisierte Mengensteuerung".
Das wurde abschließend heftig diskutiert. Besonders Eckehard Niemann (AbL) machte in seinem Referat deutlich, dass eine industrialisierte Tierhaltung mit wenigen Monopolisten wie Lohmann, Wiesenhof und Rothkötter das Ende der kleinbäuerlichen Tierhaltung bedeute. Die Antwort auf diese Entwicklung könne nur Investitionen in die Freilandhaltung bzw. Haltung auf Stroh und Biolandbau sein. Vor allem sei es wichtig, den Anbau von Futterpflanzen unabhängig von Soja-Importen zu fördern. Einheimische Leguminosen wie Futtererbsen seien heute schon in der Lage, den gesamten Eiweiß-Bedarf in der Tierfütterung zu decken. Das wäre auch ein Beitrag zum Schutz des Klimas (siehe: Agrarfabriken oder Bauernhöfe. Unabhängige Bauernstimme 2/2010, S. 12).
| wann: |
25. Februar 2010 |
| wo: |
Europäisches Parlament, Brüssel |
| was: |
Seminar zum Einfluss europäischer Rechtsvorschriften und Politik
auf das Potenzial der Biotechnologieforschung |
für PROVIEH dabei: |
Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel |
Politik und Gesellschaft stehen vor verschiedenen Krisen und Herausforderungen. Dazu gehören die wachsende Weltbevölkerung, der steigende Nahrungsmittelkonsum, der Verlust landwirtschaftlich nutzbarer Fläche sowie die Folgen des Klimawandels und der Verlust der Artenvielfalt. Diese Entwicklungen werden einen Anstieg der Produktivität in der Landwirtschaft nötig machen.
Um über die Rolle und Möglichkeiten der Biotechnologieforschung in diesem Kontext zu sprechen, veranstalteten das „STOA-Science and Technology Options Assesment“ - Panel (Rat zur Bewertung wissenschaftlicher und technischer Optionen) des Europaparlaments und die „Public Research and Regulation Initiative“ (Initiative öffentliche Forschung und Regulierung/PRRI) ein Seminar zum Einfluss der europäischen Politik und Rechtsvorschriften auf die Forschung im Bereich der grünen Gentechnik.
Die Eröffnung der Veranstaltung oblag dem Europaabgeordneten und Vizevorsitzenden des STOA, Prof. Antonio Correia de Campos, und Em. Prof. Marc Baron von Montagu, Vorsitzender der „Public Research & Regulation Initiative“.
Im Lauf der Veranstaltung hielt Prof. Dr. El-Belrtagy, Vorsitzender des Globalen Forums für Landwirtschaftsforschung (Global Forum on Agricultural Research) einen Vortrag zur Biotechnologie im Kontext globaler Herausforderungen bei der Produktion von Lebens- und Futtermitteln sowie Kraftstoffen. Maive Rute, Leiterin der Direktion für Biotechnologie, Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel der Kommission, sprach über die Biotechnologieforschung in der EU. Zu den Erfahrungen mit gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) und deren Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit und Produktivität referierte Dr. Emilio Rodriguez vom Institute for Prospective Technological Studies (Institut für vorausschauende technologische Studien) der Kommission. Die Erfahrungen von Wissenschaftlern im Dienste der öffentlichen Forschung mit den europäischen GVO-Bestimmungen stellte Dr. Piero Morandini von der Universität von Mailand dar.
Im Anschluss bot ein Abendempfang die Möglichkeit zum persönlichen Austausch.
Die europäischen Verbraucher wünschen sich gentechnikfreie Lebensmittel. Trotzdem werden immer mehr Genfuttersorten für den Import zugelassen (wir berichteten). Darüber hinaus will die Kommission nun vorschlagen, dass die Verantwortung für den Anbau von GVO-Pflanzen künftig bei den einzelnen EU-Mitgliedsländern liegen soll. Damit wären eine wirksame Kontrolle und das Verhindern von Kontaminationen unmöglich. Dementsprechend wichtig und brisant ist das Thema der Regulierung von GVO-Forschung, -anbau und –import.
PROVIEH wird sich auch in Zukunft gegen GVO auf dem Acker, im Futtertrog und in der Lebensmittelkette einsetzen. Mehr zu den Risiken von GVO finden Sie hier.
Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier.
| wann: |
11. Februar 2010 |
| wo: |
Brüssel (Plenarsitzungswoche Europäisches Parlament, EP) |
| was: |
Sitzung der Intergroup for Animals:
"Schweinehaltung und Ferkelkastration" |
für PROVIEH dabei: |
Sabine Ohm, Europareferentin |
Angestoßen durch die verdeckten Recherchen (wir berichteten) unserer Partnerorganisation Compassion in World Farming (CIWF) bzw. der von ihnen geleiteten Europäischen Koalition für Nutztierschutz (ECFA), kommt immer mehr Schwung in die Debatte um die Haltungsbedingungen der Schweine in Europa. Über die Notwendigkeit einer besseren Umsetzung bzw. Durchführung der Richtlinie für den Schutz von Schweinen hielt Peter Stevenson, Fachreferent für Europapolitik bei Compassion in World Farming, einen Vortrag.
Aber auch die Ferkelkastration, für deren Abschaffung in Deutschland sich PROVIEH seit zwei Jahren intensiv einsetzt (mehr dazu hier), wird auf EU-Ebene heftig diskutiert. Zwei Beiträge sollten hier Anregungen zu Debatten zwischen Europaparlamentariern und Vertretern aus der Zivilgesellschaft sowie von Nichtregierungsorganisationen liefern: Einen Überblick über die Alternativen zur Kastration lieferte Stéphan Martin, der für Pfizer - Hersteller des ersten Impfstoffs gegen Ebergeruch (IMPROVAC)- arbeitet. Zudem erläuterte Georg Freisfeld, deutscher Schweinehalter und Aufsichtsratmitglied im Erzeugerring Westfalen, seine praktische Erfahrung in Bezug auf Alternativen zur Ferkelkastration. Im Anschluss an die Vorträge gab es Raum für Fragen und einen Meinungsaustasch zwischen allen Anwesenden.
PROVIEH vertrat auch in diesem Rahmen den Standpunkt, dass die Einführung der Ebermast die natürlichste Alternative zur Ferkelkastration und ein schon mittelfristig realisierbarar Schritt ist. Großbritannien ist da ein leuchtendes Beispiel; denn dort wurde die Ferkelkastration bereits vor Jahren abgeschafft, und Eberfleisch ist das Natürlichste von der Welt. Deutschland ist auf dem besten Wege dazu, diesem Vorbild bald zu folgen, genau wie die Niederlande es bereits tun. PROVIEH wird in seinen Bemühungen nicht nachlassen, diesen von uns angestoßenen Prozess in Gang zu halten und wo möglich zu beschleunigen.
Die Tagesordnung der Sitzung können Sie hier einsehen.
| wann: |
04. Februar 2010 |
| wo: |
Centro Guadiamar, Sevilla |
| was: |
Tagung über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) |
für PROVIEH dabei: |
Sabine Ohm, Europareferentin |
Nach der Bestätigung des neuen Kollegs der EU-Kommissare im Februar 2010 ging es sofort in die heiße Phase der Verhandlungen um die künftige Richtung in der europäischen Agrarpolitik. Derzeit werden die Agrarhilfen noch gemäß der Finanzplanung 2007-2013 verteilt, wobei die 12 Erweiterungsländer nicht die gleichen Rechte wie die “alten” EU-Mitgliegsstaaten bekommen haben und daher wesentlich geringere Subventionen empfangen. Diese Ungleichbehandlung wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von den Benachteiligten moniert; denn die Wettbewerbsverzerrungen zugunsten des Westens haben einen brutales Strukturwandel in Mittel- und Osteuropa mit dem daraus resultierenden Höfesterben gerade der kleinen und mittleren Familienbetriebe bewirkt.
Bei den Verhandlungen zur künftigen Gestaltung der GAP für den Finanzrahmen („Finanzielle Vorausschau“) 2014-2020 ging es im Wesentlichen um mehr Gerechtigkeit und um die folgenden beiden strittigen Fragen:
1. Um die finanzielle Ausstattung der Agrartöpfe insgesamt, wobei einige es ablehnen, dass künftig überhaupt noch so viel Geld in die Landwirtschaft gepumpt werden soll wie bisher: Derzeit sind es noch 47 % des EU-Jahresbudgets (2009 wie 2010), wenn man die Förderung des ländlichen Raumes mitrechnet - 36 % allein für klassische Instrumente wie Direktzahlungen (Betriebsprämien). Einige Länder wie Großbritannien, Dänemark und die Niederlande fordern aber eine starke Kürzung der Subventionen und mehr liberale Marktwirtschaft im Agrarsektor.
2. Um die Verteilung der Mittel auf die “Erste” (v.a. Direktzahlungen) und die “Zweite Säule”, die Instrumente für integrierte Agrar-, Tierschutz, Umwelt- und Strukturpolitik und zur Bewältigung der neuen Herausforderungen wie dem Klimawandel (u.a. durch Cross-Compliance Regelungen, also die Einhaltung bestimmter Zusatznormen) umfasst.
Bei inzwischen 27 Mitgliedsländern mit sehr unterschiedlichen Landwirtschaftssektoren und Interessenlagen sind die Verhandlungen sehr schwierig. Unser Anliegen betrifft besonders die Berücksichtigung von Umwelt- und Tierschutzkriterien bei der Zuweisung der Agrarmittel: PROVIEH fordert die Abschaffung von Agrarsubventionen für Tierfabriken, wie sie in den letzten Jahrzehnten zu Hunderten in Deutschland und anderen EU-Mitgliedsstaaten dank EU-Subventionen aus dem Boden geschossen sind. Stattdessen sollen künftig nur noch umwelt- und tierfreundliche Betriebe (sowie solche in benachteiligten Gebieten) gefördert werden, da sie der Gesellschaft einen echten Mehrwert bringen.
Mehr Informationen zu den Agrarausgaben und dem EU-Haushalt im Überblick finden Sie hier.
| wann: |
04. Februar 2010 |
| wo: |
Europäisches Parlament, Brüssel |
| was: |
Seminar “Animal Welfare = Human Welfare” (“Tierwohl = Menschenwohl”) |
für PROVIEH dabei: |
Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel |
Am 4. Februar fand ein von der Allianz der Liberalen und Demokraten von Europa (ALDE) veranstaltetes Seminar zum Thema Tierschutz statt. Gegenstand des Seminars waren gute Tierhaltung, Antibiotikaresistenzen und wissenschaftliche Indikatoren für das Wohlbefinden von Tieren.
Einleitende Worte sprach Marit Paulsen, stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses. Im Folgenden präsentierte Paola Testori-Coggi von der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher (DG SANCO) der EU-Kommission aktuelle Trends im Tierschutz. Ivar Vagsholm, Professor für Lebensmittelsicherheit an der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften hielt einen Vortrag über Antibiotikaresitenzen als Bedrohung für Mensch und Tier. Über die unternehmerischen Vorteile von guter Tierhaltung referierte Meurig Raymond, der stellvertretende Präsident der „National Farmers Union of England and Wales“ (Bauernverband von England und Wales).
Abschließend bot eine Podiumsdiskussion mit dem Vorsitzenden des europäischen Agrardachverbandes Copa-Cocega (Per Olsen), der Vorsitzenden des Europäischen Verbandes der Tierschutzorganisationen Europgroup for Animals (Sonja von Tichelein) und Andrea Gavinelli, dem Abteilungsleiter für Tierschutz in der DG SANCO Möglichkeiten zum Meinungsaustausch.
Das vollständige Programm der Veranstaltung finden Sie hier.
| wann: |
03. Februar 2010 |
| wo: |
Ausschuss der Regionen, Brüssel |
| was: |
Konferenz zu Lebensmittelkennzeichnung,
Qualitätsproduktion und regionaler Landwirtschaft |
für PROVIEH dabei: |
Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel |
Vom 03. bis 04. Februar fand in Brüssel eine Konferenz zum Thema Kennzeichnung von gentechnikfreien Lebensmitteln in Verbindung mit der Absatzförderung regionaler Erzeugnisse statt. Initiator der Konferenz war das Europäische Netzwerk gentechnikfreier Regionen.
Dieses Netzwerk besteht seit 2003 und wurde gemeinsam von den Regionen Toskana und Oberösterreich ins Leben gerufen. Heute gehören dem Zusammenschluss über 50 Regionen aus Österreich, Belgien, Kroatien, Frankreich, Italien, Griechenland, Spanien und England an. Das Bündnis setzt sich für eine nachhaltige und gleichzeitig wettbewerbsfähige Landwirtschaft ein. Dabei arbeitet das Netzwerk eng mit der Europäischen Kommission, dem Parlament und dem Ausschuss der Regionen zusammen.
An der Konferenz nahm eine Vielzahl von Vertretern aus verschiedenen Regionen Italiens, Spaniens, Frankreichs und Österreichs teil. Die am 03. Februar behandelten und für PROVIEH interessanten Themen betrafen landwirtschaftliche Qualitätserzeugnisse als Chance für die Regionen, die Sicherung der Unabhängigkeit bei der Proteinversorgung als strategische Frage und der Markt für GVO-freie Sojafuttermittel.
Bereits in seinen Eröffnungsworten machte Luc van den Brande, Präsident des Ausschusses der Regionen, die Bedeutung der europäischen Qualitätsprodukte deutlich. Diese seien nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), sondern böten einen Mehrwert für die Verbraucher. In Anbetracht dessen nehme die Wichtigkeit verschiedener Gütesiegel zu. Denn nur diese ermöglichten den Verbrauchern eine freie Wahl und böten einen Wettbewerbsvorteil für die Erzeuger.
Der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling wies darauf hin, dass es dringend nötig sei, ein eigenes europäisches Agrarmodell mit Leben zu erfüllen. Man dürfe das amerikanische Modell der Liberalisierung nicht einfach übernehmen. Im Besonderen müsse die europäische Landwirtschaft zukünftig gentechnikfrei sein. Die Bemühungen des amtierenden alten und neuen Kommissionspräsidenten José Manuel Barrosso zur Renationalisierung der GVO-Politik sah Häusling dementsprechend kritisch. Die Verbreitung von gentechnisch veränderten Organismen sei nicht kontrollierbar, wenn jeder Mitgliedsstaat in eigener Verantwortung handeln könne. Auch die Nulltoleranz gegen Verunreinigungen mit in der EU nicht zugelassenen GVO bei Futtermittelimporten dürfe auf keinen Fall aufgeweicht werden. Insgesamt solle man auf die Vielfältigkeit der europäischen Regionen bauen, anstatt sich dem anonymen, globalen Markt zu unterwerfen, auf dem sich ohnehin nur wenige große Akteure bewegen, so Häusling.
Ein besonders positives Beispiel für eine tierfreundliche und GVO-freie Form der Tierhaltung stellte Jochen Dettmer, der Geschäftsführer von Neuland, vor. Für Neuland produzieren eher kleine und mittlere Betriebe mit eindeutigen Bestandsobergrenzen. In der Schweinehaltung sind pro Betrieb zum Beispiel nur 95 Sauen bzw. 650 Mastplätze erlaubt. Darüber hinaus setzt Neuland auf den Einsatz von regional erzeugtem Futter und zeigt damit Alternativen zu importierter Soja auf. In der Ferkelaufzucht wird zum Beispiel eine Futtermischung aus Weizen, Gerste, Weizenkleie, Kartoffeleiweiß, Erbsen und Zuckerrübenmelasse benutzt.
Ken Roseboro, Herausgeber von „The Organic and non-GMO Report“, sprach über die Weltmarktsituation bezüglich der gentechnikfreien Soja. Demnach gibt es keinen freiwilligen Trend, sondern eher einen Zwang zum vermehrten Anbau von Gen-Soja. Dass die Bauern oft auf genetisch verändertes Saatgut umsteigen, liege daran, dass die großen Saatgutkonzerne das alte, konventionelle Saatgut nicht mehr verkaufen und so letztlich keine Alternative bleibt. Dementsprechend liegt die Nachfrage bei gentechnikfreiem Saatgut über dem Angebot. Besonders nach dem Anstieg der Preise für GVO-Saatgut und das Pestizid Roundup würden viele Bauern den Anbau von gentechnikfreier Soja bevorzugen.
John Fagan von dem amerikanischen Unternehmen Cert-ID erklärte die zentrale Bedeutung einer Zertifizierung für gentechnikfreie Produkte. Mit der Globalisierung des Lebensmittelmarktes stünden nun zwischen Erzeuger und Endkonsument 7-30 Mittelsmänner, während der Verbraucher Lebensmittel früher direkt vom vertrauten Erzeuger beziehen konnte. Mit dem Fehlen dieser direkten, engen Beziehung gehe das Vertrauen der Verbraucher in die Produkte verloren. Deshalb sei es nun besonders wichtig, mit der Zertifizierung neues Vertrauen zu schaffen. Auch die Ursprungsbezeichnungen spielen dabei eine Rolle, so Fagan. Mit diesen verbinde der Verbraucher oft eine besondere Qualität. Insgesamt sei es den Konsumenten wichtig, dass ihre Lebensmittel ohne den Einsatz von Gentechnik, Antibiotika oder Pestiziden hergestellt würden. Um auf solche Verbraucherwünsche zu reagieren, bietet Cert-ID Hilfe bei Zertifizierungsprogrammen für Tierhalter, landwirtschaftliche Erzeuger und Lebensmittelhändler an.
In einer abschließenden Erklärung forderte das Netzwerk der 51 gentechnikfreien Regionen schließlich die Einführung eines EU-weit verbindlichen Gentechnik-Labels. Damit soll den Verbrauchern die Wahl zwischen konventionellen und gentechnisch veränderten Lebensmitteln ermöglicht werden. Gerade, weil 70 % der Verbraucher Gentechnik in ihren Lebensmitteln ablehnen, erscheint die Einführung eines solchen Etiketts als besonders wichtig. In Deutschland gibt es bereits seit dem Jahr 2009 ein Gentechnik-Frei-Label, das sich wachsender Beliebtheit erfreut (wir berichteten).
Darüber hinaus wird sich das Netzwerk auch zukünftig für die Einführung einer nachhaltigen Landwirtschaft sowie für ein stimmiges Verhältnis zwischen Erzeugern und Verbrauchern einsetzen. Außerdem soll die Landwirtschaft auch dem Schutze der Umwelt dienen, in der zukünftige Generationen leben werden.
Das Programm der Veranstaltung und weitere Informationen finden Sie hier.
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