Alles wird gut Nur nicht in der Tierseuchenbekämpfung!
Alle Tierhalter haben noch das Jahr 2001 in Erinnerung, als die Maul- und Klauenseuche, oder besser deren Bekämpfer, in Großbritannien wütete.
Im Dezember 2001 fand eine Konferenz in Brüssel statt, an der nicht nur die Chefveterinäre, sondern auch Vertreter von Bauern und Verbraucherverbänden, Zuchtorganisationen und Tierschutzverbänden teilnahmen.
Unter dem Eindruck der schrecklichen Massaker und dem immer stärker werdenden Widerstand in der Bevölkerung war man schnell bereit, für die Zukunft eine Änderung der bestehenden Rechtsgrundlagen zu beschließen. Geimpft werden sollte, über die Anpassung der Handelsbeschränkungen für die Produkte geimpfter Tiere sollte ernsthaft diskutiert werden und überhaupt sollte alles viel tier- und menschenfreundlicher werden. Und geforscht werden sollte, was das Zeug hält. Neue Impfstoffe sollten her, damit man geimpfte von erkrankten Tieren unterscheiden kann, die Diagnostik sollte beschleunigt werden, damit man ganz schnell ein Ergebnis haben kann und nicht aus Sicherheitsgründen seuchenverdächtige Tiere keulen muss, der Verbraucher sollte über die Unbedenklichkeit von Produkten geimpfter Tiere informiert werden und überhaupt:
Eine Neuausrichtung der Tierseuchenbekämpfung musste her!
Flexibler und kreativer sollte sie werden, die Bekämpfung, millionenfache Tötung von Tieren sei aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen völlig inakzeptabel.
So gefordert in Nordrhein-Westfalen im September 2001 in einer Denkschrift zum 125-jährigen Bestehen der Tierseuchenkasse. Der Autor dieser lobenswerten Festschrift ist Dr. Friedhelm Jaeger, seines Zeichens oberster Tierseuchenbekämpfer des Landes.
Fünf Jahre später und die Schweinepest ist in NRW.
Vergessen sind all die hehren Beschlüsse, die Ethik und die guten Vorsätze sind mal wieder irgendwo in der Schublade verschwunden und es wird gekeult, was das Zeug hält.
125.000 Schweine mussten diesmal ihr Leben lassen, obwohl wir inzwischen das Jahr 2006 schreiben und jeder Entscheidungsträger, einschließlich der Kommission in Brüssel, 5 Jahre Zeit hatte, den Worten Taten folgen zu lassen.
Es gibt sie, die markierten Impfstoffe, sei es für die Schweinepest, Geflügelgrippe oder MKS. Das Gerede vom Forschungsbedarf auf dem Gebiet der Markerimpfstoffe dient nur dazu, einigen Forschungseinrichtungen reichlich Steuergelder in Form von Forschungsmitteln zuzuschustern. Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg hat noch im Januar 2004 einen Antrag der CDU-Fraktion im Landtag mit unterzeichnet, in dem ausdrücklich der Einsatz von markierten Impfstoffen zur Bekämpfung der Schweinepest gefordert wurde. Und es gibt die Schnelltests, die, auf dem Verdachtsbetrieb eingesetzt, in wenigen Stunden eine Aussage über eine Infektion treffen können. Diese werden z.B. vom amerikanischen Militär eingesetzt, um festzustellen, ob Gebiete mit biologischen Kampfmitteln, sprich Viren oder Bakterien, verseucht sind. Es handelt sich hier um die sogenannten Echtzeit-PCR, mit der, unter dem Einsatz der jeweiligen Reagenzien, ein Erreger schnell und sicher identifiziert werden kann.
Tatsache ist, wir haben die Mittel und Wege, Tierseuchen effizient und intelligent zu bekämpfen. Mit einer Kombination der vorhandenen Maßnahmen lassen sich eine Ausbreitung unterbinden und die Tötung von gesunden Tieren verhindern.
Warum wird nicht entsprechend gehandelt? In unserem perfiden System der sogenannten tierischen Produktion wird, wie immer, nur Rücksicht genommen auf die Interessen der industriellen Erzeugung. Seien es Legehennenbatterien oder Schweinemastanlagen wenn der große Investor mit Verlagerung ins Ausland oder Importstopp droht, wird der Weg des geringsten Widerstandes gegangen, um ja den Handel nicht zu stören. Als die Niederlande, um die Geflügelfreihaltungen zu schützen, gegen Geflügelpest impfen wollte, wurde schnell das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Deutschland, als größter Abnehmer von niederländischen Geflügelprodukten, die Importe einstellen würde, falls geimpft werde. Angeblich empfinde der deutsche Verbraucher Produkte von geimpften Tieren als gefährlich! Wie nicht anders zu erwarten, fand die Impfaktion, aus Angst vor noch mehr wirtschaftlichen Verlusten, keine große Unterstützung bei den niederländischen Geflügelhaltern.
Wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, kann man sich denken.
Dass die Politik und die zuständigen Behörden den Machenschaften der industrialisierten Tierhaltung nicht entgegenstehen, ist der große Skandal. Anstatt die heimische Tierhaltung durch z.B. Impfprogramme zu schützen und zu unterstützen, wird den Forderungen der Massentierhalter nachgegeben.
Export und Handel ist die Devise, egal um welchen Preis. Auch wenn anscheinend den Entscheidungsträgern der Tierschutz egal ist, haben sie eine andere wichtige Tatsache aus den Augen verloren: Das Recht der Bevölkerung auf gesunde, regional erzeugte Lebensmittel. Dieses Recht kann nur durch den größtmöglichen Schutz und die Unterstützung der regionalen, kleinstrukturierten Betriebe umgesetzt werden.
Im Rahmen immer höher werdender Energiekosten ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das weltweite Handeln mit Lebensmitteln ein Ende findet. Es darf nicht so weit kommen, dass die heimische Landwirtschaft dann nicht mehr in der Lage ist, zur Ernährung der Bevölkerung beizutragen, und dass die Landwirte auf grund der politischen Vorgaben ihre Betriebe in Freizeitparks umwandeln, weil sie der Macht der großen Konzerne schutzlos ausgeliefert sind.
Der erste Schritt in die richtige Richtung ist ganz einfach: Konfrontieren wir die Entscheidungsträger mit ihren Aussagen und zwingen wir sie in der Öffentlichkeit, endlich Farbe zu bekennen: Der Einsatz von Impfungen und neuester Technologie ist praktizierter Tierschutz und wir, als Tierhalter, Tierschützer und Verbraucher haben ein Anrecht darauf, dass diese Technologie zum Nutzen der Tiere angewandt wird.
Ohne Wenn und Aber.
Sabine Zentis, 18.07.2006