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Eine züchterische Kostbarkeit wird durch Erneuerung der Zucht vor dem Aussterben bewahrt:
Das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind (DSN)

Das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind ist die
Rinderrasse, die am längsten im Mittelpunkt einer
organischen Rinderzucht steht: 1878 Gründung des Jeverländischen Herdbuchs, 1883 Einrichtung des „Vereins ostfriesischer Stammviehzüchter” und
1892 Bildung der „Ostpreußischen Holländer
Herdbuchgesellschaft”. Nur die Züchter des Allgäuer
Braunviehs können auf eine ähnlich lange und erfolgreiche Zuchtarbeit zurückblicken. Obwohl das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind für knapp 100 Jahre zu den erfolgreichsten Zuchten der Welt gehörte, schien die Zucht vor ca. 15 Jahren vor dem Verlöschen zu stehen.
Innerhalb eines für die Rinderzucht sehr kurzen
Zeitraums von nur etwa 20 Jahren hatte sich die
vorzugsweise in den USA und in Kanada gezüchtete
spezialisierte Milchviehrasse Holstein Frisian
(HF) gegenüber den Zweinutzungs-DSN fast vollständig
durchgesetzt.
Durch das zähe Festhalten einiger weniger Züchterinnen
und Züchter an ihren bewährten Kühen konnte die Rasse auch in Westdeutschland vor dem Aussterben bewahrt werden. Als sich 1989 der „Verein zur Förderung und Erhaltung des Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindes” zusammenfand, gab es nur noch gut 150 reingezogene Zuchttiere.
Im Land Brandenburg war die Situation dadurch
deutlich besser, dass von der ehemaligen „Genreserve
der DDR” knapp 2.000 Zuchtkühe den Umbruch von der DDR zur BRD überstanden hatten. In der DDR war diese Genreserve der DSN-Kühe als Teil der Züchtung des „Schwarzbunten Milchrindes der DDR” (SMR) erhalten worden. In Brandenburg waren und sind die DSN-Zuchtbetriebe Mitglied des Rinderzuchtverbandes RBB. Das Land Brandenburg fördert in vorbildlicher Weise
die Bemühungen um die Erhaltung und Weiterentwicklung
dieser Rasse. Durch Auflösung einzelner Zuchtbetriebe hat sich die Zahl der reingezogenen Tiere trotzdem leicht vermindert.
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Ein Forschungsprojekt an der Universität Kassel
aus dem Jahre 2003, das die Gegebenheiten der
Zucht in den westlichen Bundesländern untersuchte,
ergab folgende Informationen:
An der Untersuchung beteiligten sich 30 Bauernhöfe, die zusammen 452 DSN-Zuchtkühe hielten. Der größere Teil von ihnen hielt neben den
Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindern auch noch Kühe anderer Rassen. Nicht berücksichtigt werden konnten Betriebe, die keinem Zuchtverband angehörten und keine Kontrolle der Milchleistung ihrer Kühe durchführten.
Jeweils die Hälfte der Kühe stand in Ställen mit
weniger als 40 Kühen bzw. mit mehr als 40 Tieren. Auf nur 10 Betriebe konzentrierten sich 62 % der Kühe! Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Höfe durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen
Bedingungen zur Aufgabe der Milchviehhaltung
gezwungen werden können, bedeutet diese Konzentration auf nur 10 Betriebe eine anhaltende mögliche Gefährdung der Rasse.
Ein durchaus überraschendes Ergebnis war,
dass fast die Hälfte der DSN-Kühe auf Ökobetrieben
stand. Naheliegend ist das durchaus, denn viele
Ökobetriebe streben vor allem eine gute Nutzung
von Grundfutter (Gras, Klee-Gras, Silage,
Heu) statt einer starken Kraftfuttergabe (Getreide,
Eiweißergänzung) an.
Im Durchschnitt betrug die Milchleistung (305-
Tage-Leistung) 6.000 kg; der Betrieb mit der höchsten
Milchmengenleistung verzeichnete 7.900 kg.
Fast alle Betriebe praktizierten Weidegang für
ihre Kühe (bei mehr als der Hälfte waren die Kühe
vom Frühjahr bis Herbst Tag und Nacht auf der
Weide!). Kühe auf der Weide – das wird ansonsten
immer mehr zu einer Seltenheit.
Sehr deutlich ist, dass das Durchschnittsalter der DSN-Kühe um fast 1 Jahr höher ist als bei den
Deutschen Holsteins. Die Verbesserung der Lebensleistung der Kühe ist das erklärte Zuchtziel der
DSN-Züchter.

Durch Intensivierung des Austausches zwischen den Züchterinnen und Züchtern, durch Ausbau der
Verbindungen zu den Schwerpunkten der Zucht in
Deutschland (Niedersachsen, Hessen, Brandenburg)
aber auch international (vor allem Niederlande)
konnte eine erfreuliche züchterische Aufwärtsentwicklung erreicht werden.
Im Herbst des Jahres 2006 fand zum ersten Mal
seit Jahrzehnten eine gemeinsame Bundesschau
aller deutschen Züchterinnen und Züchter statt
(21. Oktober in Groß-Kreuz, Brandenburg).
Nicht unerwähnt sei auch, dass einige (wenige)
Bundesländer die Konsolidierung und Weiterentwicklung
der Zucht dieser altbewährten, robusten
Zweinutzungsrasse durch sogenannte Haltungsprämien
fördern (zahlenmäßig am bedeutsamsten
ist diese Förderung in Brandenburg und Niedersachsen).
So dankenswert das auch ist: Im Kern der züchterischen
Aufwärtsentwicklung stehen die Kompetenz und die Begeisterung der Züchterinnen und Züchter sowie – selbstverständlich – die hervorragenden
Eigenschaften dieser Rasse.
Prof. Dr. Onno Poppinga, Universität Kassel,
Forschungsbereich Landnutzung und regionale
Agrarpolitik, Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft (AbL); September 2006
© Fotos: Gerriet Trei
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