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Alternativen zum Töten der männlichen Küken
Der Tierzuchtfonds unterstützt die Suche nach einem Ausweg
Die Trennung in Lege- und Mastlinien ist die Ursache
dafür, dass bei den Legehennen so einseitig auf Legeleistung selektiert werden konnte, dass sich heute die Mast der männlichen Geschwister ökonomisch nicht lohnt. Die Folge: 50 Mio. männliche Küken werden jedes Jahr getötet (vgl. PROVIEH-Magazin 4/2005 und 2/2006).
Der Tierzuchtfonds für artgemäße Tierzucht unterstützt
Forschungsprojekte, die nach einem Ausweg suchen. Das Geschwisterkükenprojekt (vgl. PROVIEH-Magazin 3/2004) geht jetzt in die zweite Projektphase, nachdem die ersten Untersuchungen abgeschlossen sind.
Projekt Geschwisterküken – erste Ergebnisse
Das Projekt "Geschwisterküken" arbeitet daran,
diejenigen Lege-Linien zu identifizieren, deren
männliche Geschwister sich besser mästen lassen
als der Durchschnitt. Da die Tiere von der Form und Größe nicht der Konsumentenerwartung an ein "Hähnchen" entsprechen, sollen sie zerlegt und die Teilstücke vermarktet werden. Neben dem Schlachtgewicht und dem Futterverbrauch ist deshalb der Anteil verwertbarer Teilstücke entscheidend – vor allem die Ausbildung
des Brustmuskels.
Durchschnittlich erreichten die männlichen Geschwisterküken der verschiedenen Hybrid-Linien
nach 120 Tagen ein Lebendgewicht von 2,2 kg, eine Ausschlachtung von 65 % und ein Schlachtgewicht von 1,4 kg. Das Ziel ist, in max. 100 Tagen ein Schlachtgewicht von 1.800 g zu erreichen, aber das mit einem Brustfilet von ca. 225 g.
Die in der ersten Projektphase ausgewählten Linien
waren nicht geeignet. Bisher sind die täglichen
Zunahmen zu gering und verursachen so im Vergleich
zur herkömmlichen Produktion zu hohe Kosten.
Ein Selektionspotential ist aber vorhanden.
Zweite Projektphase
Ab der 16. Lebenswoche verschlechterten sich die
Zunahmen und die Futterverwertung aufgrund
der eintretende Geschlechtsreife und der dadurch
vermehrten sozialen Interaktionen rapide. Ein
weiteres Ziel für die zweite Projektphase ist daher
das Erreichen der Schlachtreife vor Eintritt der
Geschlechtsreife.
Für die zweite Projektphase steht erneut ein separates
Stallgebäude auf einem Praxisbetrieb zur
Verfügung, in dem 20 Abteile eingerichtet werden.
Die Abteile entsprechen in Größe und Ausstattung der EG-Öko-Verordnung. Pro Herkunft werden vier Wiederholungen eingestallt. Pro Herkunft werden 4 x 60 Tiere aufgestallt. Die Tiere werden vom ersten Tag mit Bio-Futter gemäß EGÖko-Verordnung und Bioland-Standard versorgt. Das Fütterungsregime wird entsprechend der
zu bestimmenden Wachstumsentwicklung angepasst.
Zu diesem Zweck werden stichprobenartig Tiere aus jedem Abteil gewogen. Am Ende der Mastperiode werden die Tiere in einem Schlachtbetrieb zunächst geschlachtet, anschließend wird die Marktfähigkeit der Schlachtkörper und Teilstücke bestimmt. Abschließend werden die gesammelten Daten verarbeitet und ausgewertet.
Aber es gibt auch weitere, zukunftsweisende
Ansätze, die das Töten der männlichen Küken reduzieren
bzw. verringern können. Die wichtigste Forderung ist
die nach der Zucht auf Zweinutzung, das heißt, die Selektion auf Lege- und Mastleistung.
So könnten Zweinutzung-Hühner durch ein Zuchtprogramm entstehen, bei dem Zuchttiere der Lege- und der Mastlinien miteinander gekreuzt werden. Da inzwischen
einige Konzerne über Lege- und Mastlinien verfügen, ist das grundsätzlich möglich.
Andere Projekte erproben die Kreuzung von Elterntieren
von Hybrid-Linien mit Rasse-Hühnern, so dass die Nachkommen zwar weniger Eier bilden als die Lege-Hybriden, dafür aber besser Fleisch ansetzen als diese.
Die Nutzung von Rasse-Geflügel sollte unterstützt
und ihre Selektion auf landwirtschaftliche Erfordernisse verstärkt werden. Rasse-Hühner sind für
die Zweinutzung und auch grundsätzlich für die
Freilandhaltung geeignet. Außerdem ist ihre Verfügbarkeit für eine züchterische Weiterentwicklung
ein wichtiger Gesichtspunkt. Rasse-Hühner sollten sukzessive und unter Freilandbedingungen
weitergezüchtet werden.
Die Mauser hat zwar nichts mit Zucht zu tun, ist
aber z.Z. die Möglichkeit, die Zahl der männlichen
Küken, die getötet würden, zu reduzieren.
Weibliche und männliche Küken entstehen im
Verhältnis 1:1. Durch die Mauser könnte ein Teil
der Hennen für eine weitere Legeperiode genutzt
werden (ca. 60 % erreicht das Ende der ersten Legeperiode; die Legeleistung in der zweiten Legeperiode ist geringer). Für jede Althenne, die nicht
durch eine Junghenne ersetzt werden muss, entsteht
auch kein männliches Geschwisterküken.
Der Tierzuchtfonds für artgemäße Tierzucht setzt
sich seit 2004 für gesunde und langlebige Tiere
und für den Erhalt und die Nutzung der biologischen
Vielfalt in den Regionen ein. Embryotransfer,
Klonen & Gentechnik sind verboten.
Initiiert wurde der Tierzuchtfonds von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, der Schweisfurth-Stiftung, dem Deutschen Tierschutzbund e.V. und PROVIEH – VgtM e.V.
Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin Tierzuchtfonds
März 2007
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