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Impressionen vom Schlachthof in München
Am 10. April, gleich nach Ostern konnte ich in aller Frühe um 6:30 Uhr den Schlachthof
in München besuchen. Eine amtliche Tierärztin war bereit mich herumzuführen, Fragen zu
beantworten und ich erlebte den Antransport, das Abladen und die Schlachtung von etwa 1.000 Mastschweinen. Das alles mit anzusehen fiel mir wirklich nicht leicht, aber ich wollte
euch und anderen gerne möglichst genau und unmittelbar darüber berichten.
Leider durfte ich am Schlachthof weder fotografieren noch unser Gespräch oder Geräusche aufnehmen.
Zunächst einiges Wissenswertes über den Münchener Schlachthof:
Den Münchnern ist der Schlachthof vor allem durch das Wirtshaus im Schlachthof und dort stattfindendes Theater und Kabarett ein Begriff. "Ottis Schlachthof" mit Ottfried Fischer war auch im Fernsehen ein Renner. Für Junge Leute ist das Schlachthofgelände ein beliebter Treff für Konzerte und Discos. Vielen ist es gar nicht bewusst, dass hier aber auch noch wirklich Schlachtbetrieb stattfindet.
1996 wurde die Direktion des städtischen Veterinärwesens aufgelöst. Der Betrieb Schlacht- und Viehhof, die Abteilung Amtlicher Tierarzt, die Aufgaben der Tierkörperbeseitigung und Speiseabfallentsorgung, sowie die Kreisverwaltungs- und Kreisaufgaben bezüglich des Tierschutz- und Tierseuchengesetzes wurden in eine Organisationseinheit als städtischer Schlacht- und Viehhof zusammengefasst, das Veterinäramt wurde eine eigene Dienststelle.
2000 wurde die Rinderschlachtung und 2004 die Schweineschlachtung privatisiert.
Seit dem 01.Januar 2005 wird der ehemalige städtische Schlacht- und Viehhof nun als organisatorisch, verwaltungsmäßig und finanzwirtschaftlich gesondertes Unternehmen der Landeshauptstadt München ohne eigene Rechtspersönlichkeit geführt.
Am 01. Januar 2007 fusionierte der Schlachthof München mit der Großmarkthalle München unter dem neuen Namen Markthallen München zu einem gemeinsamen Eigenbetrieb. Der Schlacht- und Viehhof München wird als Teil des Eigenbetriebs Markthallen München vom Kommunalreferat betreut.
Als ich um 6:30 Uhr am Schlachthof eintraf herrschte bereits geschäftiges Treiben. Mitarbeiter der rund 170 dort angesiedelten Firmen waren bereits mit anfahren, abladen, kontrollieren und registrieren beschäftigt. Ein Mitarbeiter des amtstierärztlichen Dienstes wies mir den Weg zu einem der Schlachthäuser und der zuständigen Tierärztin. Hier standen bereits zwei dreistöckige und einige kleinere Transporter zum Abladen bereit. In einem kleinen Transporter waren sogar nur zwei Schweine. Der Münchner Schlachthof bietet verschiedenen Landwirten bzw. sogenannten "Erzeugern" die Möglichkeit, ihre Tiere schlachten und zur Vermarktung zerlegen zu lassen. Daher richten sich die Schlachtzahlen an den einzelnen Tagen auch einfach nach der Auftragslage. Die Höchstzahl an Schweinen, die an einem Tag aus dem selben Betrieb zur Schlachtung gebracht werden, liegt bei 300 Tieren. Pro Woche werden hier etwa 5.000 Schweine und Ferkel und 1.800 - 2.000 Rinder geschlachtet.
Zur Zeit der Wiesen werden diese Zahlen teilweise deutlich überschritten. Die Tiere stammen alle aus der Region. Zumindest haben sie daher keine längeren Transportzeiten als maximal 3 Stunden.
Die Schweine lagen und standen in den Transportern dicht gedrängt. Es gibt hier genaue Vorschriften, nicht mehr und nicht weniger Schweine pro m2 auf dem Transporter, damit sie nicht zu gedrängt sind, aber auch nicht umfallen können. Klingt zwar irgendwie logisch, wirkte für mich aber doch schrecklich beengt. Jedenfalls verhielten sich die Schweine vor und während des Abladens insgesamt ruhiger als ich es erwartet hatte. Das Befinden der einzelnen Tiere aber war sehr unterschiedlich. Einige hatten auf dem Transport wohl sogar geschlafen und wachten erst langsam wieder auf, andere dagegen zeigten große Unruhe (Quieken, Aufsteigen auf andere, kauen an den Stangen des Fahrzeuges usw.) oder schienen apathisch.
Na ja, auch Menschen verhalten sich ja wenn sie in Panik sind oder unter Schock stehen sehr
verschieden.
Die amtliche Tierärztin führt täglich Buch wie viele Tiere aus welchem Betrieb ankommen, ob die Transporter ordnungsgemäß beladen sind, die Fahrer einen Sachkundenachweis haben. Sie vermerkt alle Abweichungen und Mängel auch etwaige Verletzungen bei den Tieren. Bei Häufungen wird der Amtstierarzt im jeweiligen Bezirk benachrichtigt und eine Kontrolle des Betriebs veranlasst. Sie zeigte mir beispielsweise eine Aufzeichnung aus der hervorging, dass aus einem Betrieb fünf Ferkel, zwei mit Leistenbruch und drei mit anderen Verletzungen gebracht wurden. Allerdings hatte der "Erzeuger" diese Verletzungen vorher schon angegeben und die Tiere deshalb zur Schlachtung und nicht in einen Mastbetrieb geschickt.
Alle Schweine sind auf dem Hinterteil mit einem Stempel des Mastbetriebes aus dem sie kommen gekennzeichnet. Die Ohrmarken, so weit noch vorhanden, zeigen den Ferkelerzeugerbetrieb. So lässt sich die Herkunft der Tiere nachvollziehen.
Von den Transportern werden die Schweine direkt in die Wartebuchten des Schlachthauses getrieben. Hierzu ist bei den Schweinen ein Zurufen, ein Klaps mit der Hand oder allenfalls
einer Plastikklatsche ausreichend. Bei besonders störrischen Rindern käme allerdings auch schon mal eine elektrische Treibhilfe zum Einsatz, um den Männern ihre Arbeit zu erleichtern und sie zu schützen, wie die Tierärztin offen zugab. Allerdings gibt es auch hier genaue Vorschriften wie
lange so ein leichter Stromschlag dauern darf.
In den Wartebuchten stehen und liegen die Schweine ebenfalls dicht gedrängt. Die meisten hatten einzelne leichte Striemen auf dem Rücken und den Flanken. Einige Tiere aber wiesen leider auch viele und tiefere Striemen auf. Natürlich erkundigte ich mich danach. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: "Das ist ganz normal und macht nichts, die Schweine raufen auch schon mal ein bisschen"! Tatsächlich bemerkte ich gleich darauf wieder eines, das seinem Nachbarn auf den Rücken stieg und mit den Klauen sicher derartige Verletzungen verursachte. "Ob das wirklich so normal ist und nicht doch an dem beengten Stehen und dem enormen Stress dem die Tiere ausgesetzt sind liegt"?, ich dachte mir meinen Teil. Auch in dieser "Wartehalle zum Tod" war es für die große Anzahl von Tieren relativ ruhig, natürlich war die Luft immer wieder von Quieken, Grunzen oder gar Schreien erfüllt, aber es war nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte.
Bis zu ihrer Schlachtung haben die Schweine in der Regel eine maximale Verweildauer von zwei Stunden in den Wartebuchten.
In dieser Zeit werden sie leicht mit Wasser berieselt, was eine beruhigende Wirkung haben soll. Man legt großen Wert darauf, dass die Tiere bei der Schlachtung so stressfrei wie möglich sind, jedoch nicht aus Tierschutzgründen, sondern weil dies der Fleischqualität schadet.
Mit einiger Überwindung verließ ich die Halle mit den Wartebuchten und ging nun in die eigentliche Schlachthalle nebenan.
Am Münchner Schlachthof werden die Schweine mit der Elektrozange betäubt. Der Vorteil dieser Methode ist, dass bei einer etwaigen unzureichenden Betäubung sofort nachgebessert werden kann. Der Nachteil ist, dass die Tiere vorher separiert werden müssen und jedes einzeln zur Betäubung gelangt. Bei der CO2 Methode werden die Schweine jeweils
zu viert in die Gaskammer gebracht, was bei ihnen in der Regel zu weniger Stress und Widerstand führt.
Jedes Tier wird also einzeln in einen kleinen Stand getrieben, neben dem der Betäuber mit der Elektrozange bereitsteht. Diese wird genau rechts und links hinter den Ohren angesetzt. Stromstärke 1.5 Ampere, vorgeschriebene Betäubungszeit 8 Sekunden. Das Ende der Betäubungszeit wird sinnvollerweise akustisch und optisch angezeigt. Tatsächlich fielen die
Schweine augenblicklich um.
Entscheidend ist nun eine perfekte Zusammenarbeit zwischen Betäuber und Stecher. Dieser ist der eigentliche Schlachter und hat an genau der richtigen Stelle einen tiefen Kehlschnitt zu setzten. Zwischen Betäubung und diesem Schnitt sollten nicht mehr als 20 Sekunden vergehen. Danach wird das Tier sofort zum Ausbluten kopfüber an einem Bein aufgehängt und fährt so etwa 15 bis 20 Meter an einem Band zum ersten Schritt der Verarbeitung, dem Wasserbad. Nach der Betäubung kommt es häufig zu einem kurzen reflexartigen Zucken des ganzen Körpers. Etwa 30 Sekunden nach Setzen des Schnittes sind die Schweine normalerweise tot. Glücklicherweise erlebte ich tatsächlich kein Tier, das nach dem Schnitt noch irgendeine Reaktion oder Bewegung zeigte. Man versicherte mir, dass am Münchner Schlachthof nicht im Akkord gearbeitet wird, die 19 angestellten Lohnschlächter stehen nie unter Zeitdruck. Ich beobachtete wie sie sich kurze Unterbrechungen genehmigten und gegenseitig zunickten. So klappte die Zusammenarbeit zwischen Betäuber und Stecher zumindest während meiner Anwesenheit perfekt.
Wobei mir gerade dieses perfekte industrialisierte Töten am Fließband einen Schauer über den Rücken jagte. Die Schlachthalle ist vom Dunst dieser Unmengen Blut, das hier strömt,
erfüllt. So war ich erleichtert der amtlichen Tierärztin in ihr kleines Büro folgen zu können.
Dort lag in ihrer Box eine entzückende kleine Bullydame und wartete auf ihr Frauchen und einen kleinen Spaziergang in der Frühstückspause. Am liebsten hätte ich die Tierärztin gefragt worin für sie der Unterschied zwischen ihrem offensichtlich geliebten Hund und diesen Schweinen besteht. Doch ich wollte nicht provozieren und außerdem hätte sie mich sowieso nicht verstanden.
Sie gab mir einen Aktenordner mit der Schweine- und Rinderschlachtverordnung nach der hier gearbeitet wird. Alle Vorschriften, vor allem auch zur Hygiene, werden streng eingehalten, wie sie mir nicht ohne Stolz versicherte. Beim Lesen musste ich feststellen, dass
tatsächlich alles bis ins kleinste Detail festgehalten und vorgeschrieben ist. Allerdings beziehen sich die Begründungen nie auf das Wohl der Tiere sondern auf die Gesundheit des Menschen. Die Fleischqualität und der gute Geschmack stehen
im Vordergrund.
Die Tierärztin fragte mich, ob ich mir die weiteren Prozesse, z.B. das sachgemäße Zerlegen der Tiere, auch noch ansehen wollte. Auch hier würde alles streng nach Vorschrift ablaufen damit etwaige Mängel oder gar Risiken ausgeschlossen werden können. Ich winkte dankend ab. Ich hatte genug gesehen. Schließlich ging es mir ja ausschließlich darum, was mit den Tieren bis zu ihrem Tod geschieht. Dies konnte sie offensichtlich nicht so ganz verstehen. Sie hatte wohl geglaubt mein Besuch hätte vor allem der Sorge gegolten, das Fleisch könne mindere Qualität haben oder gar irgendwie gesundheitsschädigend sein. Tatsächlich ist dies ja auch der einzige Aspekt der für viele Menschen wichtig ist, wenn es um die Frage geht, Fleisch essen ja oder nein und wenn ja dann woher!
17.04.2007
Helga Haus-Seuffert, Regionalvertretung München
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