Am 25. September veröffentlichte die Deutsche Bank eine Studie mit dem Titel "Lebensmittel – Eine Welt voller Spannung". Anlass dafür ist die zunehmende Bedeutung von Lebensmitteln und Lebensmittelproduktion für "Wirtschaft, Bevölkerung, Klima und Politik". Neue Faktoren wirken sich auf die Versorgung des Menschen aus und haben gleichzeitig unkalkulierbare Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft. Dementsprechend setzt sich die Studie mit den komplexen Zusammenhängen zwischen individueller Ernährung, Umweltschutz, Klimawandel, Massentierhaltung und Landwirtschaft auseinander.
Die Studie macht deutlich, dass die industrielle Form der Landwirtschaft und Massentierhaltung verheerende Auswirkungen für die Umwelt mit sich bringt. Sie sorgt für eine Verringerung der Artenvielfalt, schadet den Böden und erhöht die Treibhausgasemissionen sowie die Verschmutzung der Gewässer.
Angetrieben wird die Ausbreitung der industriellen Landwirtschaft und Massentierhaltung durch eine zunehmende Veränderung der individuellen Ernährungsgewohnheiten. Zum einen sorgt das Bevölkerungswachstum für eine größere Nachfrage nach Lebensmitteln; zum anderen nimmt - mit steigenden Einkommen - die Nachfrage nach tierischen Erzeugnissen zu. Diese Entwicklung hat enorme Auswirkungen auf die persönliche Gesundheit, aber auch auf die Umwelt. So nehmen zum Beispiel Ernährungsbedingte Krankheiten und Todesursachen wie Diabetes, Herzkrankheiten und Schlaganfälle zu. Damit sind enorme Mehrkosten für die Gesundheitssysteme verbunden.
In Bezug auf die von der Gentechniklobby beschworene neue "Grüne Revolution" liest sich die Studie skeptisch. Es bstehe "das Risiko, dass sich Schädlinge und Unkräuter entwickeln, die mit den Techniken des ‚Genetic Engineering’ nicht bekämpft werden können." Dazu führen die Autoren Zahlen an: "Im Jahr 1993 hatten 700 Schädlinge, 200 Krankheitskeime und 30 Unkräuter aufgrund des übermäßigen Einsatzes neuer Insektizide und Herbizide Resistenzen gegen agrochemische Produkte entwickelt. "Die Sicherheit von genetisch veränderten Produkten wird derzeit äußerst kontrovers diskutiert, zumal es nicht möglich ist, die langfristigen Auswirkungen abzuschätzen",so die Autoren. Auch die geistigen Eigentumsrechte werden als zentrales Problem im Zusammenhang mit Gentechnik genannt: "Die Bauern müssen Saatgut aufbewahren und wieder verwerten können." Und im Fazit: Große Nachteile der Grünen Revolution lägen in der Umweltbelastung und -verschmutzung, ungleich verteiltem Nutzen und sinkenden Erträgen.
Mit Blick auf die Folgen für Mensch und Umwelt " ist es durchaus sinnvoll, die Ernährungsgewohnheiten in den Industrieländern zu hinterfragen", heiβt es unter anderem in der Studie. Besonders ins Gewicht fällt dabei der Fleischkonsum, der enorme Folgen für die Umwelt (mehr dazu hier bitte verklinken auf Thesenpapier Klimawandel) mit sich bringt. Deshalb plädieren die Autoren der Studie der Deutschen Bank für eine Verminderung des Fleischkonsums, weniger Wegwerfmentalität beim Lebensmittelkonsum, und für einen Wandel in der Landwirtschaft hin zu nachhaltigen, ökologischen Modellen.
Die vollständige Studie der Deutschen Bank finden sie hier
27.10.2009, Anne Beny, Büro Brüssel