 |
| Presse |
 |
|
 |
 |
 |
Intensive Landwirtschaft und ihre Folgen – schlimmer als gedacht!
Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) bewerten die Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft auf das Klima als zu gering.
Bisher wurde der Anteil der Landwirtschaft an den globalen Treibhausgasemissionen auf 18 % geschätzt. Diese Schätzung stammt aus einer viel beachteten Studie der FAO aus dem Jahr 2006, die unter dem Titel "Livestock’s Long Shadow" veröffentlicht wurde.
Das World Watch Institute (WWI) hält diese Schätzung der FAO allerdings für zu gering. In einer am 20. Oktober 2009 veröffentlichten Analyse des WWI wird der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgasemissionen auf enorme 51 % geschätzt.
Die von Robert Goodland und Jeff Anhang verfasste Studie weist allerdings laut Greenpeaceuntersuchungen einige Mängel auf. So wird etwa die Atmung der Tiere in die Berechnungen mit einbezogen. Da diese den Anteil des gespeicherten Kohlenstoffs allerdings nicht verändert bleibt der Ansatz fraglich. Auch die stärkere Gewichtung von Methan (das wesentlich schädlicher für das Klima ist als CO2) wird unter Experten noch kontrovers diskutiert. Denn es ist sehr schwierig, den richtigen Faktor zur angemessenen Gewichtung zweifelsfrei zu kalkulieren. Ferner lässt sich auch an der Datengrundlage des WWI Kritik üben (mehr dazu hier).
Die Studie macht allerdings - trotz einiger Mängel - deutlich, dass die Folgen der industriellen Massentierhaltung und des Konsums von tierischen Erzeugnissen weitaus schneller Wirkung zeigen werden, als bisher gedacht. Experten schätzen inzwischen den Anteil der Nutztierhaltung statt bei den von der FAO errechneten 18% auf ca. ein Drittel aller vom Menschen hervorgerufenen Treibhausgasemissionen.
Wie verheerend die Umweltfolgen der industriellen Massentierhaltung sein können, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Frankreich: Im bretonischen Departement Côtes-d'Armor kommt es schon seit den 70er Jahren immer wieder zu Algenpesten. In einem vertraulichen Bericht der Regierung vom 4. September 2009 wird deutlich, dass die intensive Schweinehaltung in der Region Hauptverursacher des Phänomens ist. Der massive Einsatz von Düngemittel durch die ansässigen Viehzüchter sorgt für das enorme Wachstum der Algen, so der Bericht. Am Strand von Saint-Michel-en-Grève sorgten die Algen sogar bereits für einen Todesfall: Ein Reiter erlitt gesundheitlichen Schaden, sein Pferd starb qualvoll an einer Lungenembolie - verursacht durch giftige Gase, die von den verwesenden Algen freigesetzt wurden. Um der Algenplage entgegen zu wirken, sollen die Landwirte der Region nun dazu gebracht werden, weniger zu düngen und langfristig auf ökologische Landwirtschaft umzustellen.
Insgesamt wird klar, dass es an der Zeit ist, den massenhaften Konsum von tierischen Erzeugnissen, insbesondere von Fleisch und Milcherzeugnissen, zu überdenken. Denn die industrielle Massentierhaltung ist nicht nur unökologisch, sondern auch unökonomisch, ungerecht, ungesund und unethisch (mehr dazu hier). Die Erzeugung von Fleisch ist zudem extrem ineffizient. So braucht man zum Beispiel für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch 10 kg Futtermittel (bei Schweinefleisch 4-5 kg, für Hühnerfleisch 2-3 kg).
Die Umstellung der individuellen Ernährungsgewohnheiten hin zu einer fleischärmeren oder fleischfreien Ernährung ist der vielleicht wirkungsvollste Schritt zu einer Verringerung der globalen Treibhausgasemissionen. Deshalb weist PROVIEH bereits seit 2007 auf die Folgen der industriellen Massentierhaltung für Umwelt, Gesundheit und Klima hin (mehr dazu hier).
Im Hinblick auf die anstehenden Klimaverhandlungen in Kopenhagen haben wir einen offenen Brief an den alten und neuen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso verfasst. Darin fordern wir ihn dazu auf, die Einrichtung eines fleischfreien Tages in allen Kantinen der EU-Institutionen in Brüssel, Straßburg und Luxemburg voranzutreiben.
Zum Text unseres Schreibens, das Sie gerne als Vorlage für einen eigenen Brief verwenden dürfen, kommen Sie hier.
03.11.2009, Anne Beny und Sabine Ohm, Büro Brüssel
|
 |
| Impressum · Seitenanfang |
|
 |