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Berichte über PROVIEH-Termine von 2009



wann: 09. Dezember 2009
wo: Europäisches Parlament, Brüssel
was: Lunch Präsentation „12 Pledges for Sustainability“
für
PROVIEH
dabei:
Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel

Klaus Wiegandt schuf zusammen mit der Europäischen Akademie Otzenhausen und der ASKO Europa-Stiftung das Projekt „Mut zur Nachhaltigkeit“. Dieses Projekt wurde Teil des „Education for Sustainability“ Projekts (Bildung für Nachhaltigkeit) der Vereinten Nationen. Ziel dieser Initiative ist es, Menschen dazu zu bringen, verantwortlich und nachhaltig mit der Erde und ihren Ressourcen umzugehen. Um dies zu gewährleisten, wurden Strategien formuliert, die sich mit Nachhaltigkeit, Entwicklung, Konsum, Klima, Ressourcen, Energie, Wasser und dem Bevölkerungswachstum auseinandersetzen. Basis dieser Strategien sind 12 Veröffentlichungen, die im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurden.


wann: 17. November 2009
wo: Brüssel
was: Workshop zur Umsetzung der Schweinehaltungsrichtlinie
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Die Umsetzung der Schweinehaltungsrichtlinie aus 2001 (Richtlinie des Rates 2008/120/EG) lässt in Deutschland und anderen EU-Mitgliedsstaaten immer noch sehr zu wünschen übrig. Entgegen der in nationales Recht überführten Regelungen werden den Tieren kaum je die auch für konventionelle Betriebe vorgeschriebenen natürlichen Beschäftigungsmaterialien zur Verfügung gestellt. Auch ist das routinemäßige Schwanzkupieren und Zähneschleifen immer noch sehr weit verbreitet. Unsere britische Partnerorganisation Compassion in World Farming (CIWF) deckte diese Missstände Ende 2008 durch Videodokumentationen in fünf der größten Schweineerzeugerländern auf, darunter auch in Deutschland.

Der von der EU-Kommission anberaumte Workshop am 17. November sollte angesichts der von PROVIEH und Compassion in World Farming eingereichten Klagen ein Forum zwecks Austauschs über Wege für eine verbesserte Umsetzung der Tierschutzvorschriften für Schweine bieten. Dabei standen die Aufklärung über die geltenden Bestimmungen, die neuesten Untersuchungsergebnisse der EU-Lebensmittelaufsichtsbehörde EFSA sowie die Präsentation über die "Besten Praktiken" im Vordergrund. Es ging dabei ebenfalls um die kommende Gruppenhaltung von Sauen, da ab 2013 die durchgehende Haltung in Kastenständen gänzlich verboten ist.

Die Vertreter der Kommission und der EFSA verwiesen immer wieder auf die Eindeutigkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der geltenden Gesetze und forderten deren Einhaltung. Zur Untermauerung der Notwendigkeit und Möglichkeiten für geeignete Maßnahmen hatte die Kommission zahlreiche Redner geladen. Sie stellten existierende, funktionierende, artgerechte Haltungssysteme unter anderem aus den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich vor. Auch der Europareferent von CIWF, Peter Stevenson, hielt einen Vortrag über die eklatanten Verstöße gegen die geltenden Regeln in der Schweinehaltung sowie die anstehenden Änderungen in der Sauenhaltung. Er machte dabei sehr deutlich, dass nun Ernst gemacht werde mit der Umsetzung der Richtlinie, die in ihrer letzten Fassung seit 2006 in Kraft ist.

Zudem wurde eine - allerdings etwas unvollständige - Kosten-Nutzenanalyse vorgestellt, die vom italienischen Forschungszentrum für Tierproduktion CRPA (Centro Ricerche Produzioni Animali S.p.A.) durchgeführtworden war. Untersucht wurden die ökonomischen Auswirkungen durch die Einführung der Gruppenhaltung für Sauen gem. Richtlinie 2008/120/EG. Abgesehen von den Investitionskosten für die notwendigen Anpassungen wirkten sich alle anderen geforderten Haltungs- und Managementmaßnahmen kostensenkend für die Erzeuger aus, da die Tiere gesünder, ausgeglichener und damit auch produktiver sowie weniger verletzungsanfällig werden.

Trotz allem fiel in der abschließenden Diskussion den Vertretern der Schweineindustrie aus Frankreich und den Niederlanden, die sich zu Wort meldeten, wie auch dem Gesandten des Deutschen Bauernverbands, Geschäftsführer Dr. Michael Starp, nichts besseres ein, als zu fordern, dass künftig auf alle Fälle das Schwanzkupieren weiterhin erlaubt sein müsse.

Wollen oder können die Verbandsvertreter es nicht begreifen? Das Schwanzkupieren und Zähneschleifen wird künftig nur noch als allerletztes Mittel eingesetzt werden dürfen, wenn alle anderen Verbesserungsmaßnahmen in Haltung und Management keinen Erfolg hatten. Die bisher von willfährigen Veterinären häufig ausgestellten Persilscheine, die solche unbotmäßigen Maßnahmen oft voreilig per Federstrich erlaubten, wurden auf der Veranstaltung als illegal kritisiert. Soetwas wird es künftig nicht mehr geben.

Das Programm des Workshops und darin alle Links auf die Vorträge finden sie unter http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/seminars/091117_workshop_pig_welfare_agenda.pdf.


wann: 05. November 2009
wo: Europäisches Parlament, Brüssel
was: Debatte zum Thema "Gentechnikfreie Lebens- und Futtermittel:
eine wirtschaftliche Chance für Erzeuger in Europa"
für
PROVIEH
dabei:
Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel

Zur Diskussion standen die wirtschaftlichen Chancen für die Erzeuger in Europa, die durch gentechnikfreie Lebens- und Futtermittel entstehen. Im Rahmen der Veranstaltung schilderten Unternehmen und regionale Entscheidungsträger ihre Erfahrungen mit gentechnikfreien Märkten und dem Angebot an gentechnikfreiem Soja.

Zunächst sprach Martin Häusling, Sprecher der Grünen Fraktion im Agrarausschuss, einleitende Worte. Außerdem hielt Frank Martin Neupärtl, Landrat des Schwalm-Eder-Kreises, einen Vortrag zum Thema „gentechnikfreies Nordhessen“. Darin wurde deutlich, dass die Bevölkerung im Schwalm-Eder-Kreis Agrogentechnik ablehnt.
Sabine Simon und Peter Gerber erläuterten die überaus positiven Erfahrungen des Unternehmens Campina bei der Einführung von Frischmilch mit der Kennzeichnung "ohne Gentechnik" unter dem Namen „Landliebe“. Diese Milch ist die einzige, die in den vergangenen Jahren steigende Marktanteile verzeichnen konnte. Damit wird der klare Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach gentechnikfreien Lebensmitteln deutlich. Trotzdem handelt es sich bei der „Landliebe“ um das einzige vollständig gentechnikfreie Produkt von Campina. Ob und wann weiter GVO-freie Produkte ins Sortiment aufgenommen werden sollen, blieb unklar.
Über den Zusammenschluss gentechnikfreier Regionen Europas berichtete Renaud Layadi vom Regionalrat der Bretagne. Dieser besteht aus 51 GVO-freien Regionen in Österreich, Belgien, Kroatien, Frankreich, Italien, Griechenland und England. Die Marktsituation bei gentechnikfreien Sojabohnen wurde von Jochen Koester von der Firma Trace Consult näher erläutert. Dieser machte deutlich, dass sich die Kontamination mit GVO-Soja problemlos vermeiden lässt. Darüber hinaus könne man auch bei steigender Nachfrage ohne Weiteres genügend gentechnikfreien Soja produzieren und sei nicht auf GVO-Soja angewiesen. Abschließende Worte wurden von der Abgeordneten Corinne Lepage, der stellvertretenden Vorsitzenden des Umweltausschusses beigesteuert. Sie unterstrich noch einmal, dass die Verbraucher Gentechnik weitgehend ablehnen und man der Bevölkerung keine offensichtlich ungewollte risikoreiche Technik aufzwingen dürfe. Im Anschluss an die Vorträge konnten Fragen an die Vortragenden gestellt werden.


wann: 28./29. Oktober 2009
wo: Bologna, Italien
was: Workshop Ebergeruch/Symposium ALCASDE
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Seit Juli 2008 engagiert sich PROVIEH mit einer breit angelegten Kampagne erfolgreich für die Abschaffung der Ferkelkastration in Deutschland und in Europa.

Die bisher sichtbaren Erfolge sind die Ankündigungen von McDonald’s und Burger King bis allerspätestens 2011 aus dem Verkauf von Kastratenfleisch auszusteigen. Zudem intensivierten sich die Verhandlungen mit den Akteueren nach unserer jüngsten Brief- und Postkartenaktion betreffend den Lebensmitteleinzelhandel (mehr zu der Aktion hier). Auch die Forschungsarbeiten in Deutschland und Europa laufen in verschiedenen Gebieten weiter auf Hochtouren.

Im Rahmen des Workshops am 28. Oktober wurden die neuesten Forschungsergebnisse bezüglich der Erkennung von Geruchsabweichlern unter Jungebern vorgestellt. Das am 29.10. abgehaltene EU-Symposium stellt neue Erkenntnisse des "ALCASDE" Projekts über Praktiken und Alternativen zur Ferkelkastration und Enthornung von Kühen und Rindern. ALCASDE wurde Ende 2008 u.a. als einjähriges Anschlussprojekt zum 2007/2008 durchgeführten Programm PIGCAS ins Leben gerufen; denn die Neuerungen und Forschungsereignisse aus verschiedenen Mitgliedsländern wie den Niederlanden und Deutschland hatten die PIGCAS-Daten bezüglich der Alternativen zur Ferkelkastration bereits zum Veröffentlichungsdatum (März 2009) zur Makulatur werden lassen.

Die vollständigen Programme für diese Veranstaltungen können Sie hier und hier abrufen.


wann: 28./29. Oktober 2009
wo: Landwirtschaftszentrum Haus Düsse, Ostinghausen, 59505 Bad Sassendorf
was: Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland e.V. (ABD e.V.)
Bio-Schweine - Marktgeschehen und Ebermast
für
PROVIEH
dabei:
Prof. Dr. Sievert Lorenzen, Vorsitzender

Das Programm können Sie hier einsehen.


wann: 12. Oktober 2009
wo: Vertretung des Landes Niedersachsen, Brüssel
was: Parlamentarischer Abend der Arbeitsgemeinschaft
Deutscher Tierzüchter e.V.
für
PROVIEH
dabei:
Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel

Thema des Parlamentarischen Abends der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierzüchter e.V. (ADT) war "Patente in der Tierzucht".

Zu Beginn der Veranstaltung gab es ein Gespräch am runden Tisch mit verschiedenen Experten, darunter Dr. Jens Gaster von der Europäischen Kommission, Frau Dr. Doris Walter vom Deutschen Patent- und Markenamt sowie Frau Dr. Bianca Lind vom Förderverein Biotechnologieforschung (FBF). Danach bot sich die Möglichkeit, dieses und andere Themen der Tierzucht im persönlichen Gespräch zu vertiefen.

PROVIEH trat innerhalb einer breiten Koalition von Nichtregierungsorganisationen gegen Patente auf Leben und für eine erhebliche Verschärfung der Biopatentrichtlinie ein (mehr dazu hier). Denn Patente auf Tiere und ihr Erbgut werden - ähnlich wie bereits in der Saatgutmittelindustrie - dazu führen, dass Züchter und Landwirte immer mehr eingeschränkt werden und in Abhängigkeit zu den Großkonzernen geraten sowie die genetische Vielfalt eingeschränkt wird. Mittelfristig wird durch geltendes Recht auch die Artenvielfalt negativ beeinflusst, weil der Konzentrationsprozess auf gentechnisch veränderte Hochleistungsrassen dadurch weiter vorangetrieben wird.

Auch im letzten Jahr war PROVIEH bei dem parlamentarischen Abend zu aktuellen Fragen des Tierschutzes und der Tiergesundheit mit dabei (mehr dazu hier).


wann: 09. - 10. Oktober 2009
wo: Hofgeismar
was: Landwirtschaftstagung
"Zukunftsfähige Landwirtschaft - Praxis, Wissenschaft
und Verbände im Dialog"
für
PROVIEH
dabei:
Prof. Dr. Detlef Fölsch

Das Ziel der Tagung war, einen gleichberechtigten Dialog zwischen Praxis, Wissenschaft und Verbänden zu initiieren. Angesichts der aktuellen Veränderungen an den Agrarfakultäten der Universitäten einerseits und der künftigen Herausforderungen und Anforderungen an die Forschung und Beratung andererseits wird das für dringend notwendig gehalten.

So schreibt der Weltagrarrat in seinem Frühjahr 2009 veröffentlichten Bericht: "Weiter wie bisher ist keine Option!", wenn wir die künftigen Herausforderungen wie ausreichend und gesunde (Welt-)Ernährung, sparsamer Umgang mit den natürlichen Ressourcen und Klimawandel meistern wollen. Er fordert u.a. eine Agrarforschung, die sich auf agrarökologische Lösungen konzentriert und diese gemeinsam mit den Bauern und Bäuerinnen entwickelt. Exemplarisch soll anhand konkreter landwirtschaftlicher Themen untersucht werden, wie es gelingen kann, dass Fragen, die die Praxis beschäftigen, von Verbänden und Forschung aufgegriffen und bearbeitet werden können. Welche Kooperationen braucht es, um eine bäuerliche, ökologische und vielfältige Landwirtschaft zu unterstützen? Welche neuen Beziehungen und Netzwerke können zwischen Wissenschaft, Verbänden und Praxis geknüpft werden? Wie können Praxis, Forschung und Verbände zu einer gemeinsamen Sprache finden? Was können wir aus gelungenen Kooperationen lernen? Darüber hinaus wollen wir mit der Tagung einen Impuls geben für die Gründung eines informellen Netzwerkes all derjenigen, die sich einem in diesem Sinne verstandenen Dialog (und darauf begründeter Forschung) verbunden fühlen.

Das Programm dazu können Sie hier einsehen.
Die Einladung finden Sie hier.



wann: 09. Oktober 2009
wo: Köln, Hotel Hilton
was: "Friend of the sea-Tag"
für
PROVIEH
dabei:
Stefan Johnigk, Geschäftsführer

Programm:
14:00 Präsentation Friend of the Sea: Standard, Leistungen Zertifizierungsverfahren Standard, achievements and certification procedure
14:45 Präsentation Norway Prawns: Eismeergarnelen (Pandalus borealis) Northern prawns
15:00 Präsentation IFFT, Deutschland: Meerfischzucht-Projekt im geschlossenen Kreislaufsystem Project with sea fish farmed in recirculation system
15:15 Präsentation Clean Seas, Australien: Aquakultur von Gelbschwanzmakrele, Adlerfisch und Vermehrung von Blauflossenthun Aquaculture of Mulloway, Kingfish and Bluefin propagation
15:30 Präsentation Noordzee Vissers, Holland: Seezungen-Fischerei Dover Sole net fishery
16:00 Präsentation Manor, Schweiz: Vollumstellung des Angebots auf FOS Engagement to source exclusively FOS certified seafood
16:15 ev. Präsentation Pangasius und Black Tiger Garnelen (Vietnam, Zucht) ev. Pangasius and Black tiger prawns from Vietnamese aquaculture
16:30 Kaffepause
16:45 Eins zu eins Meetings
17:45 Zusammenfassung
18:00 Aperitif
18:30 Ende

Ein Bericht hierzu folgt.


wann: 08. - 09. Oktober 2009
wo: Uppsala, Schweden
was: Konferenz "Tierschutz und Qualität vereinen:
Transparenz in der Lebensmittelerzeugung"
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Diese Konferenz wurde anlässlich des Abschlusses des europäischen "Welfare Quality" Projekts vom schwedischen Ratsvorsitz organisiert. Unter der Ägide des schwedischen Landwirtschaftsministers, Eskil Erlandsson, wurden die Ergebnisse der fünf Jahre dauernden Studien erstmals öffentlich präsentiert und diskutiert. Das zu 85% von der EU finanzierte Projekt kostete insgesamt 17 Millionen Euro und lief seit Mai 2004. 44 Universitäten und Forschungsinstitute aus 13 europäischen und vier lateinamerikanischen Ländern waren beteiligt. Sie erforschten gemeinsam die Möglichkeiten zur objektiven Messung des Wohlergehens verschiedener Nutztierarten (Schweine, Rinder/Milchkühe und Hühner) in den landwirtschaftlichen Betrieben anhand von nachvollziehbaren Kriterien.

Europäische Verbraucherinnen und Verbraucher bringen in Umfragen immer wieder großes Interesse am Tierschutz in der Lebensmittelerzeugung zum Ausdruck. Mit diesen Forschungsarbeiten sollte eine wissenschaftliche Grundlage zur Verbesserung der Qualität, Sicherheit und Transparenz in der Erzeugungskette von Lebensmitteln tierischen Ursprungs gelegt werden - also die Basis für eine künftige EU-weite Tierschutzetikettierung. Auch die sozioökonomische Machbarkeit von verlässlichen Messungen und Einstufungen der Nutztiere haltenden Betriebe sowie Kontrollmechanismen und Zertifizierungen für Erzeuger und Hersteller war Gegenstand der Untersuchungen.

Insgesamt kamen bei dieser Konferenz allerdings die Experten des Welfare Quality Projekts nicht genug zu Wort. Man hätte viel mehr über die offen gebliebenen Fragen bezüglich der Bewertungssysteme und der praktischen Anwendbarkeit sowie mögliche Lösungsansätze diskutieren können und müssen.

Stattdessen wurde ein ganzer Nachmittag für Diskussionen über "Welthandel und Tierschutz" verwendet. Da wurde wieder gewarnt vor "ungerechten Handelshemmnissen" und Problemen mit der WTO. Mangelnder Tierschutz ist bisher nämlich kein Grund, tierische Erzeugnisse aus Drittstaaten aus dem EU-Markt auszuschließen. Zu Recht beschweren sich also unsere Landwirte über diese Ungleichbehandlung, die zu unfairen Wettbewerbsverzerrungen für sie führt. So werden die höheren (wenn auch noch lange nicht ausreichenden) EU-Tierschutzstandards permanent durch Billigimportwaren unterlaufen und die EU-Verbraucher sind völlig ahnungslos, was sie so alles aufgetischt bekommen.

Die EU-Kommission, Auftraggeberin und Finanzierungsquelle des Welfare Quality Projektes, machte sich während der gesamten Konferenz äußerst rar; erst ganz zum Schluss würdigte ein Kommissionsvertreter zwar die gute Projektarbeit, schloss aber eine direkte Anschlussförderung für die offen gebliebenen Fragen aus.

Statt des ursprünglich geplanten Vorschlags für Tierschutzetikettierung wird die Kommission in den kommenden Wochen erst mal ein Grünbuch (Konsultation der Öffentlichkeit) zu diesem Thema vorlegen; d. h. die Kennzeichnungspflicht wird weiter verschleppt.

PROVIEH setzt sich indes ein für eine sofortige Ursprungslandkennzeichnung für Fleisch und Milcherzeugnisse, wie sie in 2009 auch schon in den USA in Kraft getreten ist (COOL).

Zudem plädieren wir für eine baldige Einführung einer verbindlichen Tierschutzetikettierung für alle tierischen Erzeugnisse auf der Grundlage des vierstufigen Welfare Quality Systems – auch für Importe. Nur so kann es faire Wettbewerbsbedingungen geben und allen europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern eine informierte Wahl ermöglicht werden.

Mehr Informationen zu den Veranstaltungen, dem WQ-Projekt sowie Webcasts aller gehaltenen Reden können Sie hier einsehen. Direkt zu den Videos kommen Sie hier.


wann: 06. - 08. Oktober 2009
wo: Europäisches Parlament, Brüssel
was: Empfang der "EU Civil Society Contact Group"
und der "Eurogroup for Animals" zur Eröffnung
der Ausstellung "Meet Civil Society"
für
PROVIEH
dabei:
Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel

Die "EU Civil Society Contact Group" hat es sich zum Ziel gesetzt, Nichtregierungsorganisationen aus den verschiedensten Bereichen wie Umwelt, Erziehung, Entwicklung, Volksgesundheit etc. zusammen zu bringen. Gemeinsam mit dem europäischen Tierschutzdachverband "Eurogroup for Animals" ludt sie am 6. Oktober zu einem Empfang im Europäischen Parlament ein.

Anlass war die Eröffnung der Ausstellung "Meet Civil Society". Diese Veranstaltung sollte ein Forum des Kennenlernens bei zwanglosem Meinungsaustausch zwischen Europaabgeordneten und Vertretern zivilgesellschaftlicher Organisationen bieten. Außerdem wurde dort die Möglichkeit geboten, sich an thematisch gegliederten Ständen zu 14 verschiedenen Themen zu informieren, darunter Klimawandel, Nachhaltige Landwirtschaft sowie Natur und Gesundheit und Tierschutz. Mehr dazu hier.

PROVIEH wies dort einmal mehr besonders auf die schädlichen Folgen von industrieller Massentierhaltung und dem Überkonsum tierischer Erzeugnisse auf Menschen, Tiere und Umwelt hin. Mehr dazu hier.


wann: 25. September 2009
wo: Magdeburg
was: Arbeitssitzung
"Öffentlichkeitswirksame Aktionen
gegen Massentierhaltungsanlagen"
für
PROVIEH
dabei:
Prof. Dr. Sievert Lorenzen, Vorsitzender,
Stefan Johnigk, Geschäftsführer

Angesichts der weiter laufenden Anträge auf Genehmigung von tierquälerischen und umweltschädlichen Agrarfabriken engagieren und wehren sich an ganz vielen Orten Bürgerinitiativen, Bauern, Gemeinden und Organisationen. Dabei stößt man zwangsläufig auf Agrarpolitik, Agrarindustrie-Lobby, Gesetzesgestaltung, Förderungs- und Behördenpraxis und auch auch auf eingefahrene Vermarktungs- und Konsummuster.

Ziel war es, die vielen lokalen Initiativen bundes- und europaweit zu vernetzen, Bezüge zu verbundenen Themen herzustellen und große, gemeinsame öffentlichkeits- und politikwirksame Aktionen zu starten.

Eine Pressemitteilung der AbL vom 28.09.2009 können Sie hier nachlesen.
Die Einladung finden Sie hier.



wann: 23. September 2009
wo: Friedrich-Loeffler-Institut,
Institut für Tierschutz und Tierhaltung, Celle
was: 3. Celler Fachgespräch
für
PROVIEH
dabei:
Prof. Dr. Sievert Lorenzen, Vorsitzender

Das Programm können Sie hier einsehen.


wann: 08. Juli 2009
wo: Berlin
was: Ein Netzwerk gegen industrielle Tierproduktion schaffen
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
für
PROVIEH
dabei:
Stefan Johnigk, Geschäftsführer

Die industrielle Tierproduktion zählt heute zu den größten ökologischen, sozialen und ethischen Herausforderungen. In zahlreichen Bürgerinitiativen engagieren sich Menschen gegen die Massentierhaltung von Legehennen, Masthühnern, Enten, Puten, Schweinen und Rindern. Sie agieren vereinzelt und auf oft schwierigem Terrain. Zwei Aufgaben müssen sie dabei bewältigen: Mit kreativen Aktionsformen die Öffentlichkeit mobilisieren, um neue Anlagen zu verhindern, und gleichzeitig den Rechtsweg beschreiten. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement - sei es aus Umweltschutz-, Landschaftsschutz-, Tierschutz-, Klimaschutz-, entwicklungspolitischen oder anderen Gründen - zu stärken, ist für die Sprecherin für Natur- und Tierschutz der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Undine Kurth, ein wichtiges Anliegen.
Aus zahlreichen Gesprächen weiß sie um den Wunsch, ein Initiativen-Netzwerk zu schaffen, und hatte u. a. PROVIEH eingeladen zum Runden Tisch gegen industrielle Tierproduktion. Aus einem bundesweiten Zusammenschluss könnten die Bürgerinitiativen vor Ort vielfältige Synergien und Unterstützungen schöpfen - bei der Aquirierung juristischen Sachverstandes, bei der Organisation von Aktionen und Demonstrationen, beim Aufbau von Öffentlichkeits- und Lobbystrategien und zur gegenseitigen Ermutigung. Den Aktiven vor Ort soll Basiswissen und juristische Hilfestellung vermittelt werden.
Ziel der Beratungen im Rahmen des Rundes Tisches sollte es sein, zu klären, ob die Schaffung eines Netzwerkes von allen relevanten Akteuren mitgetragen wird, ob eine finanzielle oder materielle Unterstützung des Netzwerkes möglich ist, welche Aufgaben es übernehmen könnte und welche Organisationsform anzustreben ist.


wann: 29. Juni 2009
wo: Mainz
was: Symposium "Tiergerechte Haltung von Legehennen"
Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz
Rheinland-Pfalz
für
PROVIEH
dabei:
Iris Weiland, Fachreferat Witzenhausen

Der Tierschutz ist für die Landesregierung von Rheinland-Pfalz von großer Bedeutung. Hierzu zählt auch die tiergerechte Haltung von Nutztieren. Ein Tier muss seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und untergebracht werden. Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung enthält detaillierte Bestimmungen für die Haltung von Legehennen. Die Kleingruppenhaltung – eine Käfighaltung – wird den grundlegenden Bedürfnissen der Hennen nicht gerecht werden. Deshalb hat Rheinland-Pfalz beim Bundesverfassungsgericht gegen die rechtlichen Bestimmungen für Legehennen geklagt. Dem ethisch begründeten Tierschutz, wie ihn das Tierschutzgesetz fordert, wird nicht ausreichend Rechnung getragen.
Das Symposium hatte zum Ziel, die vielfältigen Aspekte der tiergerechten Haltung von Legehennen zu verdeutlichen. Zunächst wurden im Rahmen von Fachvorträgen ethologische, bauliche und wirtschaftliche Aspekte angesprochen.
Die anschließende Podiumsdiskussion hat sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie tiergerechte Haltungssysteme und wirtschaftliches Handeln zu vereinbaren sind.

Zum Programm des Symposiums kommen Sie hier, zum Bericht unserer Fachreferentin Iris Weiland kommen Sie hier.


wann: 23.-26. Juni 2009
wo: Brüssel
was: Internationale Grüne Woche (Klimawandel)
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Das Thema lautete in diesem Jahr „Climate Change: Act and Adapt“ (zu deutsch etwa „Klimawandel: Handele und passe dich an“). Damit stand dieses Jahr der Klimawandel im absoluten Mittelpunkt der Brüsseler „Green Week“, nachdem es schon seit 2007 in vielen Diskussionen um diese Problematik ging (wir berichteten).

In verschiedenen Foren, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen wurden die Chancen auf einen Kyoto-Nachfolgevertrag bei den Verhandlungen in Kopenhagen (Dezember 2009) ausgelotet, Anpassungserfordernisse und –möglichkeiten erörtert sowie die Erhaltung der lebenswichtigen Ökosysteme auf der Erde und Wege zur Reduzierung der Kohlendioxydemissionen (bis auf Null in 2050) diskutiert.

PROVIEH nutzte auch in diesem Jahr wieder jede Gelegenheit, die Klima- und Umweltschädlichkeit von industrieller Massentierhaltung öffentlich anzuprangern und so die Öffentlichkeit weiter aufzuklären, dass eine Einbindung des Landwirtschaftssektors in die Bemühungen zur Erreichung der Klimaziele unumgänglich ist, da allein die Viehhaltung weltweit für über 18 % des Treibhausgasausstoßes verantwortlich ist (mehr als der gesamte Transportsektor!). Mehr dazu in unserem Positionspapier.

Zum Material über die „Green Week 2009“ kommen Sie hier.


wann: 17. Juni 2009
wo: Berlin
was: "Tierschutz ist Klimaschutz"
Tagung der Allianz für Tiere in der Landwirtschaft
für
PROVIEH
dabei:
Iris Weiland, Fachreferat Witzenhausen

Die Landwirtschaft gehört neben dem Energieverbrauch von Gebäuden und dem Verkehrsaufkommen zu den Hauptursachen des Klimawandels. Dabei hat die Art der Tierhaltung einen wesentlichen Einfluss auf die Klimafreundlichkeit der Produktion. Anders formuliert: Eine artgerechte Tierhaltung kann dazu beitragen, den Anteil der Landwirtschaft am Klimawandel zu senken.

Ist für klimabewusste Verbraucher der Fokus auf eine artgerechte Tierhaltung eine Alternative zum Verzicht auf Lebensmittel tierischer Herkunft? Welche Tierhaltung dient dem Klimaschutz, welche schadet? Was sagen die Wahlprogramme der Parteien zu Tier- und Klimaschutz? Verbessern Filteranlagen an Ställen die Treibhausgasbilanz? Sind Freiland- und Auslaufhaltung, die als besonders tiergerecht gelten, auch für den Klimaschutz gut? Was geschieht mit den Tieren, was passiert mit den Kulturlandschaften, wenn Tiere zunehmend im Stall gehalten werden?

Die Allianz für Tiere wollte auf diese und weitere Fragen Antworten geben und den gemeinsamen Interessen der Verbraucher und Landwirte an Klima-, Umwelt- und Tierschutz Rechnung tragen. Neben positiven Beispielen aus der Praxis wurden erforderliche politische Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Tierhaltung in globalisierten Märkten vorgestellt.

Sie hatte eingeladen, um mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Verbraucher,- Umwelt- und Tierschutz gemeinsam zu diskutieren. Zum Programm der Tagung kommen Sie hier.


wann: 15.-16. Mai 2009
wo: Brüssel
was: Jahresversammlung
"European Coalition for Farm Animals" (ECFA)
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Die britische Nutztierschutzorganisation Compassion in World Farming (CIWF) gründete 1993 angesichts der damals anstehenden Überarbeitung der europäischen Legehennenrichtlinie die „Europäische Koalition für Nutztierschutz“ (European Coalition for Farm Animals), um gemeinsam mit anderen Nutztierschutzvereinen aus damals 13 EU-Mitgliedsstaaten eine konzertierte Kampagne zur Abschaffung der Käfighaltung ins Leben zu rufen – mit großem Erfolg, wie die Abschaffung der konventionellen Käfighaltung in der europäischen Union ab 2012 zeigt. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Mitglieder (inzwischen 39, auch aus Norwegen, der Schweiz und Israel) und erfolgreiche Kampagnen wie gegen Kälbermast in Einzelboxen und gegen Kastenstände in der Sauenhaltung hinzu.

Auch PROVIEH ist seit 2007 Mitglied in der ECFA und engagiert sich nicht nur in konzertierten Kampagnen wie z. B. im Bereich der Legehennenhaltung und der Verbesserung der Schweinehaltungsrichtlinie, sondern betreibt einen permanenten aktiven Informationsaustausch innerhalb der Koalition.

Das Jahrestreffen mit Vertretern des Koalitionsführers CIWF und anderen Mitgliedsvereinen bot den Rahmen zur Koordinierung unserer Strategien und Kampagnenpläne 2008/2009 im gemeinsamen Bestreben, bessere Bedingungen in der Nutztierhaltung in Europa herbeizuführen.


wann: 23.-25. April 2009
wo: Rostock
was: Podiumsdiskussion zum Thema "Tierprodunktionsbetriebe
in zivil-, wirtschaftsrechtlicher und gesellschaftspolitischer Sicht"
für
PROVIEH
dabei:
Stefan Johnigk, Geschäftsführer

Die Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Agrarrecht - Vereinigung für Agrar- und Umwelrecht e. V. (DGAR) im April 2009 befasste sich mit dem Thema "Tierprodunktionsbetriebe in zivil-, wirtschaftsrechtlicher und gesellschaftspolitischer Sicht".
Am zweiten Tagungstag ging es nach einer Darstellung von Problemen im Genehmigungsverfahren um die Thematik "Gesellschaftliche Akzeptanz großer Tierhaltungsanlagen".
Zur Teilnahme an der Podiumsdiskussion wurden u. a. auch Vertreter der Evangelischen Kirche und Vertreter von Umweltverbänden eingeladen.


wann: 21. April 2009
wo: Berlin
was: Gesprächsrunde bei Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner hatte PROVIEH zusammen mit Vertretern aller namenhaften deutschen Tierschutzvereinigungen zu einem "Gespräch am Runden Tisch" ins Bundesministerium in Berlin eingeladen.

Jede Organisation konnte für diese Diskussionsrunde ein Schwerpunktthema angeben. PROVIEH hatte aus gegebenem Anlass das Thema "Patente auf Leben" (siehe auch Demonstration am 15. April in München) und gentechnisch veränderte Futtermittel ausgewählt. Denn es stehen in den kommenden Wochen und Monaten - also noch VOR der Bundestagswahl 2009 und den Europaparlamentswahlen im Juni dieses Jahres – wichtige Termine und Entscheidungen zu diesen beiden Themenkreisen auf dem Programm (mehr zum Thema hier).

PROVIEH hat aktuelle und schnell umsetzbare Vorschläge zum Nutztier- und Verbraucherschutz in die Gesprächsrunde des Ministeriums eingebracht. Es wäre sehr erfreulich, sollte die Bundesministerin die Gelegenheit nutzen, noch in dieser Legislaturperiode konkrete Beschlüsse zugunsten einer tiergerechteren Landwirtschaft zu verabschieden.


wann: 19. April 2009
wo: Warder
was: "Schweinetag" im Archehof Warder
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin
und Stefan Johnigk, Geschäftsführer

Schweinefleisch ist in Deutschland beliebt wie eh und je. Doch immer mehr Schnitzel werden von immer weniger Schweinerassen produziert. Wertvolle Eigenschaften wie zum Beispiel Krankheitsresistenzen oder Widerstandsfähigkeit könnten für immer verloren gehen, wenn nicht einige wenige Züchter sich dem Erhalt alter, bedrohter Schweinerassen widmen würden.

Am Sonntag, dem 19.04.2009 hatte der Archehof Warder alle Schweinefreunde eingeladen, auf Tuchfühlung zu gehen mit den Bunten Bentheimer Schweinen, Rotbunten Husumer Schweinen, Angler Sattelschweinen, Linderödschweinen und Wollschweinen. Geboten wurde ein Kinderprogramm, Gesprächsmöglichkeiten mit den Züchtern und Informationen des Archepark-Leiters Dr. Dr. Kai Frölich zur Domestizierung von Schweinen.

PROVIEH informietre über Alternativen zur Ferkelkastration und den aktuellen Stand seiner laufenden Kampagne.

Wie greifbar nahe auch aus Sicht der Industrie ein Umstieg auf die tierfreundlichere Mast unkastrierter Schweine ist, referierte Dr. Wilhelm Jäger von der Firma Tönnies Fleischwerk aus der Praxis.




wann: 15. April 2009
wo: München
was: Demonstration gegen Patente auf Lebewesen
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Es ist 5 vor 12, doch endlich regt sich breiter öffentlicher Widerstand gegen den Ausverkauf der unabhängigen Nahrungsmittelerzeugung.

Die Gewährung von Patenten auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere wurde in der Europäischen Union durch die 1998 in Kraft getretene "EU-Biopatentrichtlinie" ermöglicht. Seither haben Gentechnikriesen wie Monsanto von dieser Möglichkeit umfänglich Gebrauch gemacht und beim Europäischen Patentamt (EPA) bereits viele hundert Patente auf Pflanzen- und Tiererbgut angemeldet (mehr dazu hier), ohne dass die breite Öffentlichkeit davon Notiz genommen hätte.

Am 15. April hatten Greenpeace, der Bundesverband der Deutschen Milchviehalter (BDM), die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) und die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Misereor, sowie die Organisation "No-Patents-on-Seeds" gemeinsam zu einem Demonstrationszug vom Marienplatz zum EPA in München aufgerufen, dem auch PROVIEH folgte. Viele namhafte Organisationen aus dem In- und Ausland unterstützten diese Initiative (siehe hierzu auch die Berichte "Schweinepatent" und "Biopatente" aus der ARD-Tagesschau vom 15.04.2009).

An diesem Tag lief die Einspruchsfrist gegen das Patent Nr. EP 165 1777 ab. Es betrifft ein bestimmtes, angeblich von Monsanto "entdecktes" Schweine-Gen, das für schnelles Wachstum bei hohem Muskelfleischanteil verantwortlich ist. Der Haken an der Sache: Dieses Gen kommt auch in vielen alten, ganz normalen Hausschweinerassen in Deutschland und anderen Ländern natürlicher Weise vor. Falls dem Einspruch gegen dieses 2005 eingereichte und 2008 bewilligte Patent nicht stattgegeben wird, können künftig „Gen-Inspektoren“ durch die Lande ziehen (wie derzeit schon in den USA auf den Mais und Sojafeldern); bei Nachweis des patentierten Genmaterials können sie eine Lizenzgebühr fordern. In den USA und Kanada gab es schon dutzende Fälle von Landwirten, die durch von herübergewehten Pollen unfreiwillig eingekreuzter Genpflanzen auf ihren Äckern hohe Strafzahlungen an Monsanto leisten mussten. Das steht auch den europäischen Landwirten bald bevor, wenn diesem Patentierungswahnsinn kein Ende gesetzt wird!

Die hessische Landesregierung ist jüngst nach den Neuwahlen im Januar 2009 aktiv geworden und hat in einer Pressemitteilung am 25. März 2009 eine Bundesratsinitiative angekündigt, um eine Verschärfung der Biopatentrichtlinie zur Vermeidung weiterer Patente auf konventionell gezüchtete oder züchtbare Lebewesen zu verhindern. Auch ein formeller Einspruch Hessens gegen das oben genannte Schweinepatent ist nicht ausgeschlossen.

PROVIEH unterstützt den hessischen Vorstoß und die Argumentation dahinter auf ganzer Linie – es wird höchste Zeit, dass dieser Weg in die völlige Abhängigkeit von Großkonzernen schleunigst verlassen wird, damit die Unabhängigkeit der Landwirte und Saatzüchter sowie die Lebensmittelsicherheit gewahrt bleiben.




wann: 18. März 2009
wo: Brüssel
was: Strategie - Workshop
für
PROVIEH
dabei:
Melanie Peters, Büro Brüssel

Eine gute Vernetzung ist unabdingbar – Strategie - Workshop in Brüssel

Am 18 März 2009 lud die Organisation Via Campesina zu einem strategischen Workshop in die Räumlichkeiten ihrer Brüsseler Vertretung ein. Ziel war die Fortsetzung eines erfolgreichen Treffens des letzten Jahres in Paris, an dem zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NRO) teilgenommen hatten.

Bei dem Zusammentreffen in Brüssel standen strategische Fragen der Zusammenarbeit, Möglichkeiten der Einflussnahme auf Politiker und Entscheidungsträger sowie vor allem die Informations- und Mobilisierungsmöglichkeiten der Zivilbevölkerung auf der Agenda. Nach einem konstruktiven Austausch waren sich die Teilnehmer des Workshops einig, künftig noch stärker eine engere Vernetzung der Organisationen untereinander - gerade bei Kampagnen - vorantreiben zu wollen. Teilnehmer an dem Workshop waren unter anderem die Organisation Friends of Europe, Oxfam und Attac.




wann: 17. März 2009
wo: Brüssel
was: Podiumsdiskussion im Europäischen Parlament
zum Thema nachhaltige Agrarpolitik
für
PROVIEH
dabei:
Melanie Peters, Büro Brüssel

Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in einem radikalen und systematischen Wandel der Agrarpolitik

Dies ist die Kernaussage des am 17. März 2009 im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Europäischen Parlament vorgestellten Weltagrarberichts des Weltagrarrates IAASTD (Assessement of Agriculture, Science, Technology and Development). Über 400 Autoren arbeiteten über fünf Jahre um die Frage zu beantworten: Wie können Hunger und Armut verringert, ländliche Existenzen verbessert und eine gerechte, ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung gefördert werden?

Die Antwort des Agrarrates: Nur eine radikale Wende in der Agrarpolitik, weg von einer "ölgesteuerten", auf reine Produktivitätssteigerungen ausgerichteten Politik hin zu kleinbäuerlichen Strukturen, angepassten Technologien und gerechter Land- und Ressourcenverteilung kann eine dauerhafte Lösung für die Landwirtschaft darstellen, so Hanns Herren vom Millennium Institut in Washington und Mitverfasser des Berichts.

Wie auch schon andere namenhafte Studien, führt der Bericht des IAASTD auf, dass es die ärmsten Länder und dort vor allem die ländlichen Bewohner sind, die unter den herrschenden Strukturen der weltweiten Agrarpolitik am meisten zu leiden haben. Doch auch die Landwirte in den Industrienationen stehen den hochkonzentrierten Vertriebsstrukturen der Einzelhandelsbranche immer ohnmächtiger gegenüber. Gegen diese Mechanismen wendet sich der Bericht des Agrarrates mit aller Vehemenz und formuliert Lösungsansätze.
Der Erhalt und Ausbau von kleinbäuerlichen Strukturen auf lokaler Ebene wird dabei als eine Schlüsselkomponente angesehen, um den wahnwitzigen Kreislauf von Ertragssteigerung auf Kosten der Landwirte, des Tierschutzes und der Verbraucher zu unterbrechen. Denn der Bericht über den Status Quo offenbart eine Situation, in der die Erste Welt zunehmend landwirtschaftliche Traditionen und somit autonome Strukturen in der Dritten Welt zerstört; für die heimische Bevölkerung wertvolle Ackerfläche wird zunehmend für den Anbau von Futtermitteln (Soja, Mais) für die Nutztiere in Massentierhaltungen in der Ersten Welt statt für einheimische Sorten zur Ernährungssicherung genutzt. Dort wird wiederum mit Unterstützung durch die Politik (die Milchquotenregelung des Gesundheitschecks der EU ist ein Beispiel hierfür) Überproduktion gefördert, die dann als subventionierte Exporte die Lebensmittelmärkte der Entwicklungsländer zerstört. Der Bericht richtet sich somit auch klar gegen die Praxis von industriellen Massentierhaltungsanlagen; denn eine Agrarpolitik, die nur steigende Skalenerträge (je größer, desto mehr Profit) im Sinn hat, ist nur mit Betrieben zu verwirklichen, bei denen Masse statt Qualität und somit nicht das Verbraucher- und Tierwohl im Vordergrund stehen.

Doch nicht nur der erwähnte Kreislauf kann durch eine Besinnung auf eine ökologische Landwirtschaft durchbrochen werden. Ebenso würden sich durch den Ausbau von kleinbäuerlichen Bewirtschaftungsstrukturen die klimaschädlichen Effekte der Nutztierhaltung verringern. Hierauf hat auch schon PROVIEH in seinem Positionspapier verwiesen.

Biodiversität ist ein weiteres wichtiges Stichwort des Weltagrarberichts. So weist der IAASTD darauf hin, dass in den letzten 50 Jahren etwa 70% der genetischen Vielfalt bei den Nutzpflanzen verloren gegangen ist. Die Verfügbarkeit relativ billiger synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel, verbunden mit der Züchtung von Hochleistungssorten haben zum Ausbruch der sogenannten "Grünen Revolution" geführt, die aber heute immer kritischer bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt und ihrem Nutzen diskutiert werden. Gentechnik, so das Ergebnis des Berichts, verursacht mehr Probleme als Lösungen und beeinflusst die Ausrichtung des Forschungsinteresses auf patentierbare Produkte. Der Schutz von geistigen Eigentumsrechten, insbesondere in Bezug auf Saatgut verhindert einen fairen Zugang zu Wissen und schafft gleichzeitig neue Abhängigkeiten, so der Bericht.




wann: 16. März 2009
wo: Brüssel
was: Sitzung des europarlamentarischen Ausschusses
für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (AGRI)
für
PROVIEH
dabei:
Melanie Peters, Büro Brüssel

Weiterhin kein Betäubungsgebot bei religiösen Schlachtungen

Die Sitzung des europarlamentarischen Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (AGRI) am 16. März 2009 endete leider mit einer unerfreulichen Nachricht für den Nutztierschutz. Abgestimmt wurde über den abschließenden Bericht des bei den Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission für die neue Schlachtverordnung federführenden Agrarausschusses. Der Kommissionsvorschlag besagte ursprünglich, dass zwar Schlachtungen generell nur unter Betäubung durchgeführt werden dürfen, für religiöse Schlachtungen aber eine Ausnahme von diesem Betäubungsgebot gelte. Zudem sollte es künftig den Mitgliedsstaaten überlassen bleiben, eine Ausnahme von dieser Ausnahme zu beschließen – d. h. auch rituelle Schlachtungen nur noch unter Betäubung zu erlauben. Schweden hat bisher als einziges EU-Mitgliedsland ein Verbot für betäubungsloses Schächten erlassen und hätte nach diesem Vorschlag sein absolutes Betäubungsgebot aufrecht erhalten können. Aber im Agrarausschuss entschied man sich gegen den Kommissionsvorschlag und auch gegen den Änderungsantrag, der ein EU-weites Betäubungsgebot auch für das Schächten eingeführt hätte. Stattdessen soll – wenn es nach dem Willen des Agrarausschusses geht - das betäubungslose Schächten in der gesamten EU (inklusive in Schweden) möglich sein. Die Eurogroup for Animals sammelt derzeit Unterschriften von Europaparlamentariern, damit erneut ein Änderungsantrag bei der endgültigen Abstimmung über den Gesamtbericht des Europaparlaments in der letzten Plenarsitzung vor den Europawahlen (am 7. Mai 2009) eingebracht werden kann. Der soll den Kommissionsvorschlag wiederherstellen, so dass die Mitgliedsstaaten das Recht behielten, das betäubungslose Schächten abzuschaffen.

Der Agrarausschuss stimmte aber einer Kennzeichnungspflicht für Fleischprodukte, die von unbetäubt geschlachteten Tieren stammen, zu. Damit sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa künftig eine Wahlmöglichkeit bekommen, die sie zur Zeit nicht haben. Besonders in Frankreich, wo über die Hälfte der Schafe geschächtet werden, landet viel Schaffleisch von geschächteten Tieren ungekennzeichnet in normalen Supermärkten und Schlachtereien. Dies sei den Konsumenten nicht zuzumuten, hieß es in der Aussprache des Agrarausschusses zum Thema Schächten.

Auch die tierquälerische Geflügelschlachtung mit Betäubung durch das kopfüber aufgehängte Ziehen durch ein Elektro-Wasserbad wurde leider – wieder einmal aus ökonomischen Gründen – nicht verboten. Dabei hatte die europäische Lebensmittelbehörde EFSA schon im Jahr 2005 in einer Studie festgestellt, dass dieses Verfahren stress- und schmerzvoll für die Tiere ist und häufig nicht gut funktioniert, so dass dringend alternative Verfahren zu entwickeln seien. Aber wo kein Verbot da auch keine Not, etwas Neues zu erfinden...

Ein kleiner Erfolg in bezug auf die Forderung nach Entwicklung besserer Betäubungsverfahren sowie nach Alternativen zur gängigen Praxis der Kükentötung konnte auf die gemeinsame Initiative von PROVIEH und anderen Tierschützern erreicht werden: Ein entsprechender Änderungsantrag von Elisabeth Jeggle (MEP) bezüglich der Erwägungsgründe wurde in den Bericht aufgenommen. Und ein weiterer Lichtblick: Auch Fischen soll künftig nach Möglichkeit Schmerz und Leid erspart werden. Damit werden Fische erstmalig auch in die Regelungen des Tierschutzes zum Zeitpunkt des Tötens aufgenommen.

Insgesamt aber ist der Bericht des Agrarausschusses eine Enttäuschung. Bleibt zu hoffen, dass durch Änderungsanträge im Plenum der Bericht des Europäischen Parlaments, der dann an die Kommission und den Rat zur weiteren Diskussion vor der endgültigen Verabschiedung gesendet wird, noch verbessert wird.

Der finale Bericht des AGRI Ausschusses steht noch aus.
Hier finden Sie jedoch den vorläufigen Berichtsentwurf sowie die Änderungsanträge.


wann: 09. März 2009
wo: Kassel
was: Workshop Ferkelkastration
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Seit Juli 2008 engagiert sich PROVIEH mit einer breit angelegten Kampagne für die Abschaffung der Ferkelkastration in Deutschland. Statt einen Krawallkurs zu fahren, üben wir bisher lieber "sanften Druck" aus und verhandeln diskret mit wichtigen Akteuren im Bereich Erzeugung, Verarbeitung und Vertrieb von Schweinefleisch. Dies zeitigte bisher gute Erfolge, wie die Einführung der längst überfälligen Schmerzbehandlung der Ferkel (solange die Umstellung noch nicht bewältigt ist) sowie ein eindeutiges, mehrfach wiederholtes Bekenntnis des Deutschen Bauernverbandes (DBV), des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF) und des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) zur baldmöglichsten Abschaffung der Ferkelkastration zeigt. Auch die notwendige Forschung wird auf unser Drängen nun gemeinschaftlich in allen relevanten Bereichen von den Hauptakteuren finanziert und vorangetrieben. Erste Unternehmen haben bereits ihre Ausstiegswilligkeit signalisiert und verhandeln mit uns über mögliche Fristen. Mehr Informationen zur Ferkelkastration finden Sie in unserem Merkblatt.

Auf dem Workshop wurden die neuesten Forschungsergebnisse und Fortschritte in Richtung Ausstieg aus der Kastration vorgestellt. Das vollständige Programm dieser Veranstaltung können Sie hier abrufen.


wann: 06.-07. März 2009
wo: Berlin
was: Verbraucherkonferenz: grün leben - nachhaltig konsumieren
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Europareferentin

Die Bündnis 90 / Die Grünen luden zu diesem Gedankenaustausch und Diskussionen über die Art und Weise, wie wir alle heute bewusst entscheiden, gezielt kaufen und damit Politik mit dem Einkaufskorb machen können.

PROVIEH appeliert seit Juni 2007 über das Klimapositionspapier sowie in zahlreichen Aktionen und Foren immer wieder an die Vertreter aus Politik und Verbraucherschutz, Verbraucherinnen und Verbraucher, damit sie endlich auf die Studien über die zahlreichen positiven Auswirkungen eines verminderten Fleischkonsums reagieren.

Auch auf dieser Konferenz war es unser zentrales Anliegen, zu vermitteln, dass gerade bei tierischen Erzeugnissen Qualität statt Quantität der richtige Weg ist: Wer seinen Verzehr von Fleisch, Milchprodukten und Eiern etwas einschränkt, der kann sich problemlos die teureren aber tier- und umweltfreundlicheren Erzeugnisse aus ökologischer Haltung leisten. Dies machte Sabine Ohm z.B. bei ihrer Teilnahme im von Ulrike Höfken (Vorsitzende des Agrarausschusses im Deutschen Bundestag) moderierten Forum 3 (“Grünes Leben nur für Reiche? Grüne Verbraucherpolitik ist Sozialpolitik”) deutlich.

Mehr über die Veranstaltung und das vollständige Programm erfahren Sie hier.


wann: 03. Februar 2009
wo: Verden
was: Expertenanhörung zu Fragen der Intensivtierhaltung
für
PROVIEH
dabei:
Prof. Dr. Detlef Fölsch
und Iris Weiland, Fachreferat Witzenhausen

Bei einer Expertenanhörung des Landkreises Verden zu "Auswirkungen moderner Massentierhaltungen" am 03.02.2009 vertrat PROVIEH mit seiner Stellungnahme die Interessen der Tiere und der Bevölkerung.

Der Landkreis Verden in Niedersachsen ist bisher noch weitgehend verschont geblieben von Intensivtierhaltungskonzentrationen, wie sie in den benachbarten Landkreisen wie Weser Ems und Cloppenburg anzutreffen sind. Doch wie lange noch? Die Antragstellung einer Intensivtierhaltung für 100.000 Masthähnchen in Etelsen, Kreis Verden, rüttelte die Bevölkerung wach: Der Anfang einer Serie von weiteren Anträgen steht zu befürchten. Auf Anregung der Bürgerinitiative und der Kreisfraktion von Bündnis 90/GRÜNEN lud der Landkreis Verden zu einem Expertenhearing ein. Vertreter der Landwirtschaftskammer, des Landvolkes, der Stadt Meppen, Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sowie PROVIEH erörterten mit den Fachausschussmitgliedern und Landrat Bohlmann die Auswirkungen von Intensivtierhaltung und Möglichkeiten einer planerischen Steuerung.

Herr Blome von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen rechnete vor, dass heute eine Arbeitskraft für 150.000 Masthühner, 250 Sauen, 3000 Mastschweine oder 60 Rinder zu kalkulieren sei, solle die Anlage rentabel betrieben werden. Diese Entwicklung zu Tierkonzentrationen führte zu einem Verdrängungswettbewerb mit einem dramatischen Rückgang der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit 30 Jahren. Der Vertreter der Stadt Meppen warnte vor Regressforderungen seitens der Investoren, mit denen die Gemeinden bei Nichtgenehmigung der Anlagen konfrontiert seien. Eine Steuerung der Ansiedlung, wie z.B. die spezielle Ausweisung von Sondergebieten für Intensivtierhaltung, hätte eine massive Sogwirkung und zöge eine Antragsflut nach sich. Investoren aus dem Ausland oder die Etablierung von Lohnmastanlagen könnten bei bestehender Gesetzeslage nicht verhindert werden. Herr Niemann von der AbL forderte die Behörden auf, mit pfiffigen Lösungen vorausschauend Wege zu suchen, diese Intensivtierhaltungen in ihren Kreisen zu verhindern. Ideen und Ansatzpunkte gäbe es, wenn man nur wolle. Fragen der Tierhaltung, so Rechtsanwalt Wedemeyer vom Landvolk Niedersachsen, seien hinsichtlich der Genehmigungsverfahren interessant jedoch unerheblich. Iris Weiland von PROVIEH machte jedoch anschaulich deutlich, dass in Intensivhaltungen regelmäßig Schäden, Schmerzen und Leiden system- und haltungsbedingt auftreten. Amtsveterinäre hätten die Aufgabe und Verantwortung auf Einhaltung des Tierschutzgesetzes hinzuwirken, auch wenn diese Intensivtierhaltungen nach den Haltungsverordnungen genehmigungsfähig waren. Die Genehmigungsbehörden könnten ihre Augen nicht davor verschließen, dass ein erheblicher Verstoß gegen das Tierschutzgesetz in letzter Konsequenz die Schließung der Anlage bedeutet.

Frau Weiland von PROVIEH stellte die Frage, wem diese Anlagen eigentlich nützen. Deutlich wurde, dass es weder die Bevölkerung ist, die einen Nutzen davon hat, noch die Gemeinden, nicht die Landwirtschaft, oft noch nicht einmal die Betreiber angesichts des Preisdruckes, schon gar nicht die Tiere. Grund genug, endlich ein Umdenken einzuleiten. Dafür war die Veranstaltung ein guter Anfang.



wann: 28. Januar 2009
wo: Brüssel
was: STOA-Workshop
für
PROVIEH
dabei:
Melanie Peters, Büro Brüssel

Die europaparlamentarische Arbeitsgruppe "Science and Technology Options Assessement"“ (STOA - Bewertung Wissenschaftlicher und Technischer Optionen) organisierte unter dem Vorsitz des Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis, den Workshop "Assessing Animal Welfare: a new Approach" (zu Deutsch etwa: "Tierschutz messbar machen: ein neuer Ansatz"). Auf der eintägigen Veranstaltung wurden die Möglichkeiten für eine Verbesserung des Wohlergehens von Nutztieren beleuchtet. Neben der Frage, ob und welche objektiven Kriterien als Maßstab für eine artgerechte Nutztierhaltung herangezogen werden können, wurde vor allem die Durchsetzbarkeit eines europaweiten Überwachungssystems, das eine Einhaltung der festgelegten Kriterien garantiert, diskutiert. Hierzu stellte die STOA-Gruppe die Forschungsergebnisse ihrer Studie "Impact of Animal Welfare" (Auswirkungen des Tierschutzes) vor, in der am Beispiel der Haltung von Milchkühen in den Niederlanden, Italien, Polen und Schweden genau diese Aspeke untersucht wurden. Um einen umfassenden Überblick über das Thema zu gewährleisten, wurden die Studienergebnisse ergänzt durch Stellungnahmen von Verbraucher- und Tierschutzorganisationen sowie von Landwirten und Vertreterinnen und Vertretern der Milchindustrie.

Weiterführende Informationen über die STOA hier.



wann: 20.-21. Januar 2009
wo: Brüssel
was: Internationales Forum über Welthandel und Nutztierschutz
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm, Büro Brüssel

Es handelte sich hierbei um die Folgekonferenz zur Veranstaltung im April 2008 (Internationales Forum über globale Aspekte des Nutztierschutzes), an der PROVIEH ebenfalls teilnahm. Diesmal sollte es spezifischer vor allem um Aspekte des Tierschutzes im Zusammenhang mit dem Welthandel gehen. Auch diesmal lud die EU-Kommission wieder Interessenvertreter aus dem Nutztiersektor von allen 5 Kontinenten ein, um gemeinsam weiter an der inhaltlichen Ausarbeitung einer globalen Strategie für den Nutztierschutz zu arbeiten. Mitveranstalter waren auch 2009 wieder die RSPCA ("The Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals"), die Welttierschutzgesellschaft WSPA, der europäische Tierschutzdachverband "Eurogroup for Animals" und CIWF (Compassion in World Farming).
Besonderer Aufmerksamkeit galt unter anderem der Frage, wie Tierschutzstandards in Europa verbessert werden können, ohne dass dies zu Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten europäischer Landwirte geht bzw. WTO-Regeln verletzt werden, falls man sich in der EU zu schützenden Maßnahmen gegen Billigimporte aus Haltungen in Drittländern mit geringeren Standards durchringt.

Mehr Informationen und das Programm der Veranstaltung können Sie hier einsehen.



wann: 19.-22. Januar 2009
wo: Brüssel
was: Ausschusssitzungen der Ausschüsse für Landwirtschaft und Umwelt
für
PROVIEH
dabei:
Sabine Ohm & Melanie Peters, Büro Brüssel

Der Ausschuss für Landwirtschaft und ländlichen Raum, sowie der Ausschuss für Umwelt, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments, hatten in ihren Sitzungen vom 19. bis 22. Januar 2009 wichtige Gesetzgebungsiniativen der Europäischen Kommission beraten. So wurden die Themen Tierschutz während des Schlachtungsprozesses, der Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Lebens- und Futtermitteln und die Gewährleistung der Lebensmittelqualität erörtert. Noch haben die Europaparlamentarier die Möglichkeit, Änderungsanträge vor den Abstimmungen innerhalb der einzelnen Ausschüsse und im Plenum einzureichen.

Die Tagesordnung des Ausschusses für Landwirtschaft und ländlichen Raum am 19.01.09 findet sich hier.

Die Tagesordnung des Ausschusses für Umwelt, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit am 21.01.09 findet sich hier.

Ein Bericht des Europäischen Parlamentes zu GMO findet sich hier.

Der Entwurf der Europäischen Kommission für eine Verordnung zum Schutz der Tiere beim Zeitpunkt der Schlachtung findet sich hier, die Stellungnahme des Europäischen Parlamentes zum Entwurf hier.

Der Berichtsentwurf des Europäischen Parlaments über die Gewährleistung der Lebensmittelqualität – Harmonisierung oder gegenseitige Anerkennung von Standards findet sich hier.




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